// zuckerbeat 01.09/26 – „oktoberfest“

mit dem neuen Werk „Oktoberfest. Ein Spaziergang auf der Wiesn“ von Stefanie Sargnagel. // Nachdem sie bereits den Wiener Opernball unsicher gemacht hat, darf Stefanie Sargnagel nun auch noch einen literarischen Abstecher auf das Münchener Oktoberfest absolvieren und wer den Vorgänger kennt, der weiß, was einen hier erwartet. Auf knapp 100 Seiten wird hier nämlich […]

mit dem neuen Werk „Oktoberfest. Ein Spaziergang auf der Wiesn“ von Stefanie Sargnagel.

// Nachdem sie bereits den Wiener Opernball unsicher gemacht hat, darf Stefanie Sargnagel nun auch noch einen literarischen Abstecher auf das Münchener Oktoberfest absolvieren und wer den Vorgänger kennt, der weiß, was einen hier erwartet. Auf knapp 100 Seiten wird hier nämlich mal ein spannender Blick von außen auf das Treiben auf der Wiesn geworfen und der ist wirklich bemerkenswert. Ausgangspunkt für das Buch war dabei übrigens das Theaterstück „Am Wiesenrand“, das bereits vor 6 Jahren am Volkstheater in München uraufgeführt wurde. Die Autorin wiederum legt in Bezug auf das Oktoberfest eine gewisse Ambivalenz an den Tag. Sie streift durch die Festzelte und die grotesken Szenerien vor Ort und reibt sich dabei immer wieder die Augen. Mal ist sie angeekelt, mal fasziniert und mit ihren treffsicheren Pointen schafft sie es immer wieder uns ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Verrückten Dingen begegnet man eben am Besten mit einer gehörigen Portion an Wahnsinn und so lassen wir uns ein auf eine lakonisch angehauchte Reise, die immer wieder auch das bayerische-österreichische Verhältnis auf die Schippe nimmt.

Was jetzt ziemlich verrückt klingt, steht so ein wenig in der Tradition eines persönlichen Erfahrungsberichtes, der einem immer wieder selbst den Spiegel vorhält. Ähnlich, wie es David Foster Wallace mal in „Schrecklich amüsant“ (hier allerdings bezogen auf eine Kreuzfahrt) durchdeklinierte, schafft es Sargnagel gerade durch ihre distanzierte Wahrnehmung immer wieder den Blick über den Tellerrand zu werfen und die Dinge zu sortieren, die da alle auf irrste Weise an ihr vorbeiziehen. Dabei schafft sie es nicht nur als eine Art Undercover-Agentin die Menschen vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen und bildet die üblichen Klischees (bayerischer Bierkonsum) auf satirische Weise ab, dass es eine wahre Freude ist. Die Autorin hat ja schließlich auch Erfahrung in diesem Bereich. Sie ist seit Gründung Mitglied in der Aktivistinnen-Gruppe „Burschenschaft Hysteria“ (der Name sagt schon alles) und hat ballert einem auf Facebook in regelmäßigen Abständen überdrehte Statusmeldungen um die Ohren, die keinen Stein mehr auf dem anderen lassen. Für ihren ebenfalls gelungenen Reisebericht „Iowa“ stand sie 2024 sogar auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und auch ihr neuestes Werk erzeugt einen Sog, dass man es am Liebsten in einem Rutsch verschlingen möchte. Lass dich also ein auf diesen ganz besonderen Ausflug aufs „Oktoberfest“ und den Bonuspart bei den Bayreuther Festspielen. Du wirst eine ziemliche Gaudi erleben. Und damit Schluss für heute. Bis zum nächsten Mal.