// zuckerbeat vol. (6)66 – „chainsaw fiddle“

mit dem Album „A Hymn Without A Sound“ von The Morning Stars. // Manchmal entstehen die schönsten Projekte aus einer Geste heraus – aus Freundschaft, aus einem Impuls, aus einem Moment. Genau so beginnt die Geschichte von The Morning Stars. Was als Geburtstagsüberraschung für Schlagzeuger Sebastian Vogel gedacht war, wurde zu einer echten Band. Die […]

mit dem Album „A Hymn Without A Sound“ von The Morning Stars.

// Manchmal entstehen die schönsten Projekte aus einer Geste heraus – aus Freundschaft, aus einem Impuls, aus einem Moment. Genau so beginnt die Geschichte von The Morning Stars. Was als Geburtstagsüberraschung für Schlagzeuger Sebastian Vogel gedacht war, wurde zu einer echten Band. Die Idee, ihm nicht einfach ein Geschenk zu machen, sondern gleich eine neue musikalische Spielwiese zu schenken, ist so charmant wie ungewöhnlich. Und vielleicht merkt man genau das dieser Musik auch an: dass sie nicht aus Kalkül entstanden ist, sondern aus Nähe und einer gemeinsamen Geschichte. Die vier Beteiligten – Sebastian Vogel, Barbara Morgenstern, Alex Paulick und Felix Müller-Wrobel – kennen sich seit vielen Jahren. Ihre Wege haben sich immer wieder gekreuzt, sei es bei Kreidler, Coloma, Kante oder in Morgensterns Soloprojekten. Diese gewachsene Verbindung hört man sofort. Als sie schließlich gemeinsam in einem Berliner Proberaum standen, war da offenbar kein vorsichtiges Abtasten mehr nötig. Stattdessen legte man einfach mal los.

Aus ersten Sessions entstanden Skizzen, aus Skizzen Songs. Besonders spannend finde ich, wie ausformuliert dieser Prozess am Ende dann doch wirkt. Nichts klingt konstruiert oder auf Wirkung hin optimiert. Vielmehr entfalten sich die Stücke aus dem Zusammenspiel. Mehrstimmige Vocals geben vielen Songs eine zusätzliche Tiefe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Alles bleibt im Fluss, gleichberechtigt, irgendwie auch offen. Musikalisch bewegt sich das Ganze in einem Feld, das man grob zwischen Kraut- und Postrock verorten könnte, ohne dass es je nach einer bestimmten Schublade klingt. Sebastian Vogels Schlagzeug trägt oft diesen motorischen, leicht hypnotischen Puls in sich, der an klassische Krautrock-Traditionen erinnert. Alex Paulicks Fretless-Bass sorgt für Wärme und Beweglichkeit, während Felix Müller-Wrobels Gitarren nicht nur Melodien liefern, sondern auch Rhythmus. Darüber legt sich Barbara Morgensterns Stimme, die noch nie dominieren musste, um präsent zu sein. Sie wirkt eher wie ein weiteres Instrument im Gefüge – irgendwie eingebettet. Das Album A Hymn Without A Sound ist, wie könnte man es schöner im Sinne von Kante sagen… mehr als die Summe der einzelnen Teile. Aufgenommen wurde es im LowSwing Studio in Berlin, einem Ort, der für seinen warmen, analogen Klang bekannt ist. Auch das hört man: Nichts wirkt überpoliert. Selbst das Artwork von Marta Ricci fügt sich stimmig in dieses Gesamtbild ein – zurückhaltend, atmosphärisch, durchdacht. Für mich fühlt sich dieses Projekt weniger wie ein klassisches „Band-Debüt“ an, sondern eher wie eine logische Fortsetzung gemeinsamer musikalischer Wege. Vielleicht ist genau das das Besondere: Hier haben sich keine Musiker gesucht, um einen Trend zu bedienen, sondern Freund*innen haben sich entschieden, ihre gewachsene Verbindung in neue Songs zu übersetzen. Das hört man in jeder Passage. A Hymn Without A Sound ist deshalb nicht nur ein Tonträger, sondern ein Dokument dieses Moments, aus dem Heraus etwas Dauerhaftes entsprang. Es ist Musik, die nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern sich im Gegenzug für viel Geduld entfaltet. Und gerade darin liegt ihre Kraft.