mit der neuen Vinyl-LP von Hinterlandgang.

// Hinterlandgang melden sich mit Vielleicht wird alles gut zurück – einem Doppelalbum, das zugleich Rückblick, Standortbestimmung und Aufbruch ist. Albert und Pablo, aufgewachsen im selben Dorf im vorpommerschen Hinterland, haben sich in den vergangenen Jahren zu wichtigen Stimmen einer ostdeutschen Rap-Realität entwickelt, die abseits urbaner Zentren verortet ist. Ihre Musik erzählt nicht vom Großstadtmythos, sondern von Feldern, leeren Bahnhöfen, Jugendclubs, Dorfplätzen – von einer Region, die oft übersehen oder klischeehaft beschrieben wird. Gerade daraus ziehen sie ihre Kraft: aus der genauen Beobachtung, aus Selbstironie, aus Solidarität. Vielleicht wird alles gut beginnt mit sphärischen, beinahe filmischen Klangflächen. Produziert vom Chaos Compressor Club, klingen die Beats kühl, klar und leicht nostalgisch – ein Echo der 90er-Jahre, jener Zeit, in der im Osten vieles gleichzeitig zerbrach und neu begann. Über diese Produktionen legen sich zwei sehr unterschiedliche Stimmen: Pablos melodischer, verletzlicher Ton und Alberts rauer, direkter Vortrag.
Dieses Spannungsverhältnis prägt das Album – zwischen Hoffnung und Wut, zwischen Müdigkeit und Trotz. Inhaltlich kreist das Werk um vertraute Themen der Crew: Schmerz, Verlust und Zusammenhalt („Für Alle“, „Ein Bild Von Dir“), Bedrohung, aber auch Selbstbehauptung („Anfang“, „Keine Angst“). Besonders eindrücklich ist „Sport Im Osten“, gemeinsam mit Sechser von Teuterekordz, das die Lebensrealität nichtrechter Jugendlicher in strukturschwachen Regionen beschreibt – zwischen Anfeindung, politischem Druck und dem Wunsch, einfach nur dazuzugehören. „Her Mit Dem Schönen Leben“ mit Schmidti109 wirkt dagegen wie eine Hymne einer Generation, die sich trotz Perspektivlosigkeit nicht aufgeben will. Dabei ist das Album nie rein düster. Gerade in Stücken wie „Sommer In Vorpommern“ blitzt eine fast zarte Zuversicht auf. „Ist alles scheiße hier, doch wir lachen zusammen“ – dieser Satz fasst die Haltung von Hinterlandgang vielleicht am besten zusammen. Es geht nicht um naive Durchhalteparolen, sondern um Gemeinschaft als Überlebensstrategie. Die Musik wird zum Raum, in dem Würde behauptet und Zugehörigkeit gestiftet wird. Auch außerhalb der Studioarbeit engagiert sich das Duo für kulturelle Infrastruktur in der Provinz, etwa mit dem eigenen „100 Tage Sommer“-Open Air in Demmin. Diese Praxis spiegelt sich im Album: Es geht darum, alte Orte neu aufzuladen, ihnen Klang und Bedeutung zurückzugeben. So wird Vielleicht wird alles gut mehr als nur das dritte Album einer Rapcrew. Es ist ein vielschichtiges Porträt einer Region, eine Reflexion über Herkunft und Verantwortung – und ein vorsichtiger, aber entschlossener Blick nach vorn. Nicht alles ist gut. Aber vielleicht kann es besser werden.
UND WAS NUN?