mit dem Werk Hellboy und die B.U.A.P. (Band 22).

// Mit Hellboy – Die Rückkehr von Effie Kolb erscheint in diesen Tagen ein weiterer Band aus dem von Mike Mignola geschaffenen Comicuniversum, das seit Jahrzehnten zu den prägenden Reihen des modernen Horrorcomics gehört. Der Band versammelt mehrere Kurzgeschichten aus unterschiedlichen Phasen des Hellboy-Kosmos und zeigt einmal mehr, wie vielseitig und atmosphärisch diese Welt sein kann. Die Geschichten führen Hellboy auf eine Reise durch verschiedene Regionen und Kulturen. Von den abgelegenen Appalachen über Russland und Frankreich bis nach Savannah in Georgia begegnet er einer Reihe übernatürlicher Erscheinungen: Geistern, Dämonen und alten Feinden, die aus den Schatten der Vergangenheit zurückkehren. Besonders die titelgebende Geschichte „Die Rückkehr von Effie Kolb“ entfaltet eine dichte, fast märchenhafte Gruselatmosphäre und verbindet persönliche Tragik mit folkloristischen Motiven – ein Markenzeichen vieler Hellboy-Erzählungen.
Im Zentrum steht dabei weiterhin Hellboy selbst: ein Dämon, der eigentlich für die Hölle bestimmt war, sich aber auf die Seite der Menschen gestellt hat. Seine lakonische, oft erstaunlich gelassene Haltung gegenüber dem Übernatürlichen bildet einen reizvollen Kontrast zu den düsteren Ereignissen, mit denen er konfrontiert wird. Wo andere Figuren verzweifeln würden, reagiert Hellboy meist mit trockener Ironie und stoischer Entschlossenheit. Gerade diese Mischung aus Humor und Fatalismus macht den besonderen Reiz der Figur aus. Der Band vereint Arbeiten mehrerer Künstler, darunter Zach Howard, Matt Smith, Tiernen Trevallion und Adam Hughes. Trotz der unterschiedlichen Zeichenstile bleibt die visuelle Handschrift des Hellboy-Universums klar erkennbar. Sie orientiert sich an der von Mike Mignola geprägten Ästhetik: starke Kontraste, reduzierte Formen und ein gezielter Einsatz von Schatten, der viele Szenen wie alte Schauerillustrationen aus einer anderen Welt wirken lässt. Die Farben von Dave Stewart verstärken diese Wirkung zusätzlich und verleihen den Bildern eine dichte, manchmal fast traumartige Atmosphäre. Typisch für Hellboy ist auch die Verbindung aus Horror, Mythologie und klassischem Abenteuer, man lernt also auch jede Menge über Dämonen und Geister dabei. Die Geschichten greifen immer wieder auf Sagen, Legenden und folkloristische Motive zurück und verweben sie mit modernen Erzählformen. Dadurch entsteht eine Welt, in der alte Mythen nie ganz verschwunden sind, sondern im Verborgenen weiterwirken. Der Titel des Bandes verweist dabei auf eine Figur, die zu den unheimlichsten und zugleich tragischsten Erscheinungen dieser Geschichten gehört: Effie Kolb. Sie ist eine Hexe aus Virginia und zugleich die erste übernatürliche Begegnung des jungen Tom Ferrell, lange bevor Hellboy in die Ereignisse eingreift. Effie tritt zunächst als verführerische, geheimnisvolle Frau auf, die Tom nicht nur die Reize weiblicher Gesellschaft entdecken lässt, sondern ihn zugleich in ein dunkles Netz aus Magie und Manipulation verstrickt. Hinter ihr steht der Zauberer Witkins, dessen Magie Effies jugendliches Aussehen bewahrt und dessen Einfluss sie immer tiefer in die Welt der Hexerei hineinzieht. Was für Tom zunächst wie eine faszinierende Begegnung wirkt, entpuppt sich bald als verhängnisvoller Pakt. Als Tom Jahre später, 1958, nach Virginia zurückkehrt, begegnet er Effie erneut. Sie verspottet ihn offen und enthüllt grausam, wie weit ihre Macht und ihr Sadismus reichen: Mit Hilfe eines magischen Zaumzeugs hat sie Toms alten Vater in ein Pferd verwandelt und ihn so lange geritten, bis er vor Erschöpfung starb. Diese Tat gehört zu den dunkelsten Momenten der Geschichte und zeigt eindrücklich, wie skrupellos Effie geworden ist. Während des finalen Aufeinandertreffens zwischen Tom und Witkins in einer verlassenen Kirche tritt sie noch einmal als verführerische Gestalt auf. Zwischen den Anhängern ihres Meisters tanzt sie beinahe spöttisch und versucht Tom ein letztes Mal dazu zu bewegen, sich ihr und der dunklen Seite anzuschließen. Nachdem Witkins schließlich besiegt ist, begegnen Hellboy und Tom Effie noch einmal vor dem Anwesen des Zauberers. Ohne die Magie ihres Meisters zeigt ihr Körper nun ihr wahres Alter: Sie wirkt gebrechlich, ausgelaugt und kaum noch wie die selbstbewusste Hexe von früher. Zum ersten Mal erscheint sie eher wie eine verfallene Gestalt als wie die manipulative Verführerin, die sie einst war. Doch das Mitgefühl, um das sie nun bittet, erhält sie nicht. Tom zwingt ihr das magische Zaumzeug in den Mund – dasselbe Instrument, mit dem sie einst seinen Vater verflucht hat – und verwandelt sie selbst in eine alte Stute. Hellboy setzt dem Ganzen noch eine makabre Pointe auf, indem er eine Warnung auf ihre Flanke malt, damit niemand in Versuchung gerät, das Zaumzeug zu entfernen. Damit scheint Effies Schicksal zunächst besiegelt: Sie bleibt in dieser Gestalt gefangen, verurteilt zu einem langen und erniedrigenden Dasein. Doch die Geschichte endet nicht dort. Jahre später, um 1967, taucht Effie Kolb erneut auf. Irgendwie ist es ihr gelungen, das Zaumzeug zu entfernen und die Verwandlung rückgängig zu machen – wie genau, bleibt unklar. Die Jahre haben jedoch sichtbare Spuren hinterlassen. Sie ist gezeichnet von den Ereignissen und von der großen Hexenjagd, die Tom Ferrell gemeinsam mit Reverend Watts nach Hellboys erstem Eingreifen begonnen hat, um die verbliebenen Hexen der Region auszurotten. In dieser Zeit kehrt Effie als eine Art ruheloser Schatten zurück und beginnt, den inzwischen alten Tom zu verfolgen. Sie erscheint ihm, bedroht ihn und erinnert ihn immer wieder an die dunklen Ereignisse ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Damit wird sie weniger zu einer klassischen Gegenspielerin als vielmehr zu einer unheimlichen Verkörperung der Vergangenheit, die sich nicht einfach begraben lässt. Gerade solche Figuren zeigen, wie vielschichtig das Hellboy-Universum sein kann. Effie Kolb ist nicht nur eine Hexe aus einer Schauergeschichte, sondern auch eine tragische und zugleich grausame Gestalt, deren Schicksal sich über Jahrzehnte hinweg durch das Leben anderer Figuren zieht. Ihre Geschichte wirkt fast wie ein düsteres Volksmärchen – voller Verführung, Rache, Vergeltung und jener unheimlichen Konsequenz, die viele der besten Hellboy-Erzählungen prägt. Gerade die Kurzgeschichten machen diesen neuen Band besonders abwechslungsreich. Jede Episode öffnet eine neue Tür zu einer anderen Legende oder einen anderen kulturellen Hintergrund. Manche Geschichten wirken wie kleine Geistermärchen, andere erinnern stärker an klassische Pulp-Abenteuer. Zusammen ergeben sie ein vielschichtiges Bild des Hellboy-Universums, in dem man sich als Leser stundenlang verlieren könnte und bei welchem man sich immer wieder dabei ertappt, wie man zu dem eben erst gelesenen weiterrecherchiert. Die Rückkehr von Effie Kolb zeigt damit eindrucksvoll, warum die Reihe bis heute eine so große Faszination ausübt. Sie verbindet düsteren Horror mit poetischen Momenten, schwarzem Humor und einer einzigartigen visuellen Ästhetik. Das Ergebnis ist ein gruseliges Gesamtwerk, das sowohl langjährige Fans als auch Neueinsteiger in die unheimliche Welt von Hellboy begeistern dürfte. Immer mehr davon, bitte.
UND WAS NUN?