mit der neuen Vinyl-LP von Deutsche Laichen.

// Punk ist scheiße, Punk ist geil von der Band Deutsche Laichen fühlt sich -passend zum Osterfest natürlich stilgerecht mit Häschencover- beim Hören an wie ein Abend in einem verschwitzten kleinen Club, irgendwo zwischen politischer Kampfansage, grölendem Freundeskreis und zunehmendem Kontrollverlust. Du legst die Platte auf, das erste Stück läuft an – und sofort ist klar: Das hier will dich nicht nur unterhalten, das will dich mit reinziehen. Was mich direkt gepackt hat, ist diese Mischung aus Haltung und Widerspruch. Der Titel ist ja schon Programm: Punk wird hier nicht romantisiert, sondern er zerlegt einfach mal wieder. Und genau so klingen die Songs auch. Mal knallen sie dir roh und direkt entgegen, fast trotzig, dann wieder brechen sie auf und werden überraschend verletzlich. Es gibt diese Momente, in denen die Wut richtig laut wird – und direkt danach kommt etwas, das sich fast wie ein intimer Gedanke anfühlt. Man merkt, dass seit dem Debüt Zeit vergangen ist. Das ist kein „wir spielen einfach nochmal schneller und lauter“-Album. Es ist reflektierter, aber deswegen noch lange nicht zahmer.
Die Texte wirken, als wären sie aus echten Gesprächen entstanden – über Aktivismus, Erschöpfung, Identität, über dieses Gefühl, gleichzeitig kämpfen zu wollen und müde zu sein von allem, was da auf einen einprasselt. Gerade diese Millennial-Perspektive schwingt überall mit: dieses Wissen, dass man politisch sein muss, es aber auch nicht immer sein kann. stilsicher in Szene gesetzt von Moses Schneider, klingt hier nichts glattgebügelt. Gitarren, die auch mal kratzen dürfen, Drums, die nach Raum klingen, Stimmen, die nicht perfekt sein müssen – genau das macht den Reiz aus. Es fühlt sich ehrlich an, fast wie live aufgenommen, auch wenn es das natürlich nicht ist. Und dann sind da diese kleinen Überraschungen: plötzlich ein queerer Lovesong, der nicht kitschig ist, sondern eher trotzig zärtlich. Oder ein Track, der fast spielerisch wirkt, bevor er dir doch noch eine politische Pointe mitgibt. Dieses ständige Wechselspiel hält das Album lebendig. Du kannst dich nie ganz zurücklehnen, weil immer wieder etwas kommt, das dich kurz aus dem Gleichgewicht bringt. Was bei mir besonders hängen geblieben ist: Das Album will sich nicht entscheiden. Es ist keine klare Liebeserklärung an Punk, aber auch keine reine Abrechnung. Es ist eher dieses Dazwischen – dieses Aushalten von Widersprüchen. Und genau das passt gerade erschreckend gut in unsere Gegenwart. Wenn die Platte durch ist, bleibt nicht nur ein Ohrwurm oder ein Lieblingssong, sondern eher ein Gefühl zurück. So ein leicht aufgewühltes, aber auch bestärkendes Gefühl. Als hätte man gerade mit Leuten gesprochen, die ähnliche Fragen haben wie man selbst – nur eben lauter, direkter und ohne Filter. Und genau deswegen funktioniert Punk ist scheiße, Punk ist geil so gut: Es ist kein Album, das dir sagt, wie du dich fühlen sollst. Es lässt dich mitten in diesem Spannungsfeld im Regen stehen – und prasselt einfach weiter auf dich ein. Also frohe Ostern ihr Lieben. Ob ihr das jetzt feiert, oder halt nicht!
UND WAS NUN?