// presswerke vol. (2)95 – „tears are“

mit der neuen Vinyl-LP von The Orielles. // Mit Only You Left legen The Orielles ein Album vor, das sich wie ein Neuanfang anfühlt – und zugleich wie die logische Weiterentwicklung einer Band ist, die sich nie davor gescheut hat, ihren Sound ständig neu zu hinterfragen. Das Trio aus Manchester hat in den vergangenen Jahren […]

mit der neuen Vinyl-LP von The Orielles.

// Mit Only You Left legen The Orielles ein Album vor, das sich wie ein Neuanfang anfühlt – und zugleich wie die logische Weiterentwicklung einer Band ist, die sich nie davor gescheut hat, ihren Sound ständig neu zu hinterfragen. Das Trio aus Manchester hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Stilrichtungen experimentiert, mit Strukturen gespielt und Grenzen verschoben. Auf diesem Album scheint vieles davon zusammenzufließen: die Energie ihres frühen Indie-Sounds, die Neugier späterer Experimente und eine neue, erstaunlich klare emotionale Linie. Entstanden ist Only You Left zwischen zwei sehr unterschiedlichen Orten – der griechischen Insel Hydra und Hamburg. Diese geografische Spannung spiegelt sich auch im Klang wider. Manche Songs wirken warm und lichtdurchflutet, fast meditativ, während andere rauer, direkter und rhythmisch drängender sind. Insgesamt klingt das Album reduzierter als manche früheren Arbeiten der Band, gleichzeitig aber konzentrierter. Die Songs stehen stärker im Mittelpunkt, ohne dass die spielerische Experimentierfreude verloren geht.

Thematisch kreisen viele Stücke um Veränderung, Zusammenhalt und die Frage, wie man in einer zunehmend chaotischen Welt Orientierung findet. Dass die Bandmitglieder seit vielen Jahren miteinander befreundet sind, spürt man der Musik an. Die Dynamik wirkt organisch, fast familiär. Die Songs entwickeln sich nicht aus kalkulierter Dramaturgie, sondern aus einer gemeinsamen musikalischen Sprache, die über lange Zeit gewachsen ist. Tracks wie „Shadow of You Appears“ oder „Embers“ entfalten eine melancholische, leicht schwebende Atmosphäre, während andere Stücke rhythmisch vorwärtsdrängen und an den energiegeladenen Indie-Spirit erinnern, mit dem The Orielles einst bekannt wurden. Besonders interessant ist, wie die Band Struktur und Stimmung kombiniert: Gitarrenlicks, Bassläufe und perkussive Elemente greifen ineinander und klingen zugleich hypnotisch und lebendig. Der Einfluss früherer Werke bleibt dabei spürbar. Die experimentelle Offenheit von Tableau klingt immer wieder an, ebenso die unmittelbare Energie ihres Debüts. Doch statt diese Elemente einfach zu wiederholen, nutzt die Band sie als Ausgangspunkt für etwas Neues. Only You Left wirkt dadurch reifer, ohne an Frische zu verlieren. Am Ende entsteht ein Album, das sich weniger über einzelne Hits definiert als über seine Atmosphäre. Only You Left fühlt sich wie eine zusammenhängende Reise an – durch Erinnerungen, durch Veränderungen, durch die Unsicherheiten der Gegenwart. The Orielles zeigen hier eine Band, die nach vielen Experimenten zu einer neuen Klarheit gefunden hat: verspielt, selbstbewusst und voller musikalischer Neugier.