// presswerke vol. (2)96 – „the weight of the woods“

mit der neuen Vinyl-LP von Dermot Kennedy. // The Weight Of The Woods von Dermot Kennedy fühlt sich beim Hören an wie ein Spaziergang durch vertrautes Gelände – nur dass man diesmal ein bisschen tiefer hineingeht, weiter weg von den offenen Wegen, dorthin, wo es stiller wird und die Gedanken lauter. Ich habe das Album […]

mit der neuen Vinyl-LP von Dermot Kennedy.

// The Weight Of The Woods von Dermot Kennedy fühlt sich beim Hören an wie ein Spaziergang durch vertrautes Gelände – nur dass man diesmal ein bisschen tiefer hineingeht, weiter weg von den offenen Wegen, dorthin, wo es stiller wird und die Gedanken lauter. Ich habe das Album zum ersten Mal am Stück gehört, ohne groß zu skippen – und genau so funktioniert es auch am besten. Es baut sich langsam auf, ohne Druck, ohne den Zwang, sofort zu beeindrucken. Stattdessen entsteht diese typische Dermot-Kennedy-Stimmung: eine Mischung aus Verletzlichkeit, Pathos und diesem fast hymnischen Drang, Gefühle größer zu machen, als sie im Alltag oft sein dürfen. Was hier sofort auffällt, ist, wie sehr er sich auf seine Wurzeln zurückbesinnt. Man hört dieses Irische, dieses Erdige – nicht unbedingt in Form von Folkklischees, sondern eher als Haltung. Gleichzeitig schwingt durch die Zusammenarbeit mit Produzent Gabe Simon auch etwas Weites mit, fast Amerikanisches.

Gerade in den ruhigeren Momenten erinnert das stellenweise an die introspektive Wärme, wie man sie etwa aus dem Umfeld von Lana Del Rey kennt – nur eben weniger entrückt, mehr direkt. Die Songs selbst fühlen sich oft wie Gespräche an, die man zu spät nachts führt. Nicht geschniegelt, nicht perfekt formuliert, sondern ehrlich, manchmal ein bisschen roh. Kennedy hat diese besondere Art zu singen, bei der man immer das Gefühl hat, dass gleich etwas bricht – und genau das macht die Intensität aus. Thematisch kreist vieles um das, was der Titel schon andeutet: Gewicht. Erinnerungen, Beziehungen, Erwartungen – all das, was man mit sich herumträgt. Aber das Album bleibt nicht im Melancholischen stecken. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen sich etwas öffnet, in denen aus Schwere so etwas wie Hoffnung wird. Nicht kitschig, nicht aufgesetzt, sondern eher vorsichtig. Was mir besonders gefallen hat: Es wirkt alles etwas weniger auf „großen Hit“ getrimmt als früher. Klar, es gibt diese aufbauenden Refrains, diese Momente, die live wahrscheinlich riesig funktionieren. Aber insgesamt fühlt sich das Album geschlossener an, persönlicher. Weniger einzelne Singles, mehr ein zusammenhängendes Gefühl. Gerade auf Vinyl – und besonders in dieser reduzierten, bewusst nachhaltigen Pressung – passt das erstaunlich gut. Man legt die Platte auf, setzt sich hin, und plötzlich nimmt man sich automatisch mehr Zeit dafür. Kein Nebenbei-Hören, sondern wirkliches Eintauchen. Wenn man seine früheren Sachen kennt, merkt man: Das hier ist keine radikale Neuerfindung. Aber es ist eine Verschiebung. Weg vom reinen „großen Gefühl“ hin zu etwas, das mehr Raum lässt, mehr atmet. Am Ende bleibt bei mir vor allem dieses Bild hängen: Musik, die nicht versucht, alles leichter zu machen – sondern die Schwere mitträgt, ohne daran zu zerbrechen. Und genau das macht The Weight Of The Woods so stimmig.