// aufgelesen vol. (6)80 – „drachen der ewigkeit“

mit dem Werk „Drachen der Ewigkeit – Das Schicksal der Drachenlanze“ (Band 3). // Drachen der Ewigkeit von Margaret Weis und Tracy Hickman fühlt sich beim Lesen ein bisschen an wie ein spätes Wiedersehen mit einer Welt, die man vielleicht schon lange kennt – und die trotzdem noch einmal alles auffährt, was epische Fantasy ausmacht: […]

mit dem Werk „Drachen der Ewigkeit – Das Schicksal der Drachenlanze“ (Band 3).

// Drachen der Ewigkeit von Margaret Weis und Tracy Hickman fühlt sich beim Lesen ein bisschen an wie ein spätes Wiedersehen mit einer Welt, die man vielleicht schon lange kennt – und die trotzdem noch einmal alles auffährt, was epische Fantasy ausmacht: Zeitreisen, Drachen, Götter, Schuld und diese ganz große Frage nach Schicksal und freiem Willen. Als Abschluss der Trilogie „Das Schicksal der Drachenlanze“ trägt der Roman natürlich eine gewisse Erwartung mit sich. Und genau damit spielt er auch. Was zunächst wie eine klassische „Wir reisen in die Vergangenheit, um alles zu retten“-Mission wirkt, kippt ziemlich schnell in etwas deutlich Komplexeres. Denn die Figuren – allen voran Destina – müssen erkennen, dass ihr Eingreifen die Dinge nicht verbessert, sondern im Gegenteil verschlimmert hat. Diese Idee ist nicht neu in der Fantasy, aber hier funktioniert sie erstaunlich gut, weil sie emotional aufgeladen ist: Es geht nicht nur um ein abstraktes Zeitparadox, sondern um echte Konsequenzen, für die die Figuren Verantwortung tragen müssen. Gerade dieser Moment der Rückkehr in eine veränderte Gegenwart ist stark.

Da ist kein triumphales „Wir haben die Welt gerettet“, sondern eher ein Schock. Die Welt ist düsterer geworden, die Mächte der Finsternis haben gewonnen, und das Schlimmste daran: Es ist ihre eigene Schuld. Dieses Motiv zieht sich dann durch den ganzen Roman – dieser Versuch, einen Fehler zu korrigieren, von dem man nicht einmal genau weiß, wie tief er eigentlich reicht. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass der Roman trotz all seiner großen, epischen Elemente immer wieder auf die Figuren zurückkommt. Destina ist keine klassische Heldin im Sinne von „unerschütterlich und immer im Recht“. Sie zweifelt, sie hadert, sie trägt Verantwortung. Und genau dadurch bekommt diese ganze Zeitreise-Thematik ein Gewicht, das über reine Plotmechanik hinausgeht. Natürlich ist das Ganze auch tief in der Tradition der Drachenlanze-Reihe verwurzelt. Wer die Welt von Krynn kennt, wird viele Motive wiedererkennen: den Kampf zwischen Gut und Böse, die Einmischung der Götter, die zentrale Rolle von Drachen als mehr als nur Kreaturen – eher als Symbole für Macht, Chaos und Ordnung. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass Weis und Hickman versuchen, diese klassischen Elemente in ein moderneres Erzählen zu überführen. Die moralischen Linien sind nicht mehr ganz so klar gezogen, die Entscheidungen haben mehr Grauzonen. Stilistisch bleibt der Roman angenehm zugänglich. Er hat dieses klassische, erzählerische Fantasy-Tempo – viele Perspektiven, viel Bewegung, viele Schauplätze. Man merkt die Erfahrung des Autorenduos: Die wissen genau, wie man Spannung aufbaut, wie man Handlungsstränge miteinander verknüpft, wie man auf ein Finale zusteuert, das sich wirklich wie ein Abschluss anfühlt. Und trotzdem hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass das eigentliche Thema ein anderes ist als nur „Rettet die Welt“. Es geht um Verantwortung. Um die Frage, ob man Dinge ungeschehen machen kann – oder ob man lernen muss, mit den Konsequenzen zu leben. Und vielleicht auch darum, dass selbst die besten Absichten nicht davor schützen, alles noch schlimmer zu machen. Gerade als Abschluss funktioniert das Buch deshalb gut, weil es nicht einfach nur größer, lauter, epischer wird, sondern die Geschichte emotional zuspitzt. Es geht nicht mehr nur darum, was passiert, sondern warum es passiert ist – und wer dafür einstehen muss. Am Ende bleibt dieses Gefühl, das gute Fantasy hinterlässt: dass man eine große, in sich geschlossene Welt erlebt hat – aber auch, dass die Fragen, die darin gestellt werden, ziemlich nah an der eigenen Realität sind. Nur eben mit Drachen.