mit der neuen Vinyl-LP von Jessie Ware.

// Superbloom von Jessie Ware fühlt sich beim Auflegen genau so an, wie das Wort schon andeutet: wie ein Moment, in dem plötzlich alles gleichzeitig aufblüht. Und auf Vinyl – noch dazu im hochwertigen Gatefold-Cover – bekommt dieses Album nochmal eine ganz andere Präsenz. Es ist nicht nur Musik, sondern ein bewusstes Hörerlebnis, bei dem man sich Zeit nimmt, die Platte auflegt und sich wirklich darauf einlässt. Schon nach den ersten Takten merkt man, dass Jessie Ware hier keinen Schritt zurück macht, sondern eher den nächsten konsequenten nach vorne. Ihr Sound war ja schon in den letzten Jahren immer stärker in Richtung Disco, Funk und luxuriösen Pop gewandert – aber Superbloom wirkt wie der Punkt, an dem sie das komplett verinnerlicht hat. Nichts klingt mehr vorsichtig oder suchend, alles hat diese selbstverständliche Eleganz. Was mich besonders abgeholt hat, ist dieses Gefühl von Wärme, das sich durch das ganze Album zieht.
Diese Musik will nicht kühl oder distanziert sein, sondern körperlich. Man hört das in den groovenden Basslines, in den weichen, oft schimmernden Streichern, in diesen leicht nostalgischen, aber nie altmodischen Arrangements. Es hat etwas von einer modernen Version von Disco – nicht als Retro-Spielerei, sondern als bewusste Entscheidung für Musik, die verbindet. Der Studio-54-Vibe, der immer wieder erwähnt wird, ist tatsächlich spürbar, aber nicht im Sinne von bloßer Referenz. Es geht eher um dieses Gefühl von Freiheit, von Ausbruch, von „alles ist möglich für diesen einen Moment“. Songs wie I Could Get Used To This tragen genau das in sich: eine Mischung aus Leichtigkeit und Selbstbewusstsein, die fast schon befreiend wirkt. Dabei bleibt Jessie Wares Stimme das Zentrum von allem. Sie klingt kontrolliert, warm, manchmal fast intim – und dann wieder groß und strahlend. Gerade diese Balance macht das Album so stark: Es kann gleichzeitig nach Tanzfläche und nach Rückzug klingen. Man kann sich dazu bewegen, aber genauso gut einfach nur zuhören und sich darin verlieren. Auf Vinyl funktioniert das Ganze besonders gut, weil das Album eine klare Dramaturgie hat. Es ist kein loses Sammelsurium von Songs, sondern wirkt wie eine durchdachte Reise. Seite A zieht einen langsam rein, baut Stimmung auf, während Seite B oft noch etwas offener, emotionaler wird. Dieses bewusste Umblättern der Platte passt erstaunlich gut zu der Idee von Nähe und Aufmerksamkeit, die das Album transportiert. Was hängen bleibt, ist weniger ein einzelner Song als ein Gesamtgefühl: dieses Glitzern, diese leichte Melancholie unter der Oberfläche, dieses Bedürfnis nach Verbindung. Superbloom ist kein lautes Statement im Sinne von „schaut her“, sondern eher ein selbstbewusstes „so fühlt es sich gerade an“ – und genau das macht es so überzeugend.
UND WAS NUN?