// spieltrieb vol. (3)49 – „drei wasserschweine tauchen ab“

mit dem Werk „Drei Wasserschweine tauchen ab“ von Matthäus Bär. // Mit „Drei Wasserschweine brennen durch“ hat Matthäus Bär eine dieser seltenen Kinderbuchreihen begonnen, die sofort eine ganz eigene Atmosphäre erschaffen. Schon der erste Band lebt weniger von großen spektakulären Ereignissen als von seiner warmen, neugierigen und wunderbar humorvollen Grundstimmung. Emmy, Tristan und Raul, die […]

mit dem Werk „Drei Wasserschweine tauchen ab“ von Matthäus Bär.

// Mit „Drei Wasserschweine brennen durch“ hat Matthäus Bär eine dieser seltenen Kinderbuchreihen begonnen, die sofort eine ganz eigene Atmosphäre erschaffen. Schon der erste Band lebt weniger von großen spektakulären Ereignissen als von seiner warmen, neugierigen und wunderbar humorvollen Grundstimmung. Emmy, Tristan und Raul, die drei kleinen Wasserschweine aus dem Zoo, gehören dabei sofort zu den Figuren, die man ins Herz schließt. Sie sind mutig, vorsichtig, chaotisch, klug und manchmal herrlich überfordert – genau deshalb funktionieren sie so gut. Die nächtlichen Ausflüge aus ihrem Gehege wirken wie kleine Expeditionen in eine riesige unbekannte Welt. Für junge Leserinnen und Leser wird der Zoo dadurch fast zu einer eigenen Stadt voller Geheimnisse, Begegnungen und Abenteuer. Besonders schön ist dabei, wie Matthäus Bär seine Geschichten erzählt. Man merkt seiner Sprache an, dass er eigentlich Musiker und Kinderliedermacher ist. Die Texte haben Rhythmus, Leichtigkeit und ein feines Gespür für Pointen. Viele Szenen lesen sich beinahe so, als wären sie zum Vorlesen am Abend komponiert worden.

Dazu kommen die liebevollen Illustrationen von Anika Voigt, die den Büchern eine freundliche, warme Optik geben und den Humor der Geschichten perfekt unterstützen. „Drei Wasserschweine wollen’s wissen“ entwickelt die Reihe anschließend spürbar weiter. Während der erste Band vor allem von Entdeckerfreude lebt, wird die Geschichte hier ein kleines bisschen geheimnisvoller.

Das Verschwinden der Flamingos und das Rätsel um die Eier bringen fast schon klassische Detektivroman-Elemente ins Spiel. Emmy, Raul und Tristan müssen Hinweise sammeln, Vermutungen anstellen und lernen, dass nicht jedes Gerücht stimmt. Trotzdem bleibt der Ton immer leicht, verspielt und kindgerecht. Genau darin liegt die große Stärke der Reihe: Spannung entsteht nie durch Überforderung oder Hektik, sondern durch Neugier und Mitgefühl. Mit „Die Wasserschweine auf großer Fahrt“ öffnet Matthäus Bär die Welt nun noch einmal deutlich weiter. Plötzlich verlassen die drei Freunde nicht nur ihr Gehege oder einzelne Bereiche des Zoos, sondern geraten mitten hinein in die große Stadt. Der Sprung vom geschützten Zoo in den „Großstadtdschungel“ verändert die Dynamik der Reihe spürbar. Die Geschichte wirkt größer, turbulenter und stellenweise fast wie ein klassischer Roadmovie-Abenteuerroman für Kinder. Zwischen Lastwagen, Straßen, Menschenmengen und fremden Tieren entsteht ein ganz neues Gefühl von Unsicherheit – aber auch von Freiheit. Gerade dieser Perspektivwechsel macht den dritten Band so spannend. Emmy, Tristan und Raul müssen nun lernen, ohne ihre gewohnte Sicherheit zurechtzukommen.

Geregelte Fütterungszeiten, bekannte Wege und sichere Rückzugsorte existieren plötzlich nicht mehr. Stattdessen begegnen sie einer Welt voller Zufälle, Gefahren und hilfsbereiter Fremder. Dabei erzählt Matthäus Bär erneut mit viel Witz, verliert aber nie den emotionalen Kern der Reihe aus den Augen: Freundschaft, Zusammenhalt und das Gefühl, gemeinsam auch schwierige Situationen meistern zu können. Bemerkenswert ist außerdem, wie konsequent die Bücher ihre Figuren weiterentwickeln. Die Wasserschweine bleiben erkennbar dieselben liebenswerten Charaktere, wirken aber mit jedem Band mutiger und erfahrener. Gerade Kinder erleben dadurch sehr organisch mit, wie Abenteuer Selbstvertrauen schaffen können. Gleichzeitig behalten die Geschichten immer ihren warmen Humor und ihre große Herzlichkeit. Selbst aufregende Szenen bleiben angenehm zugänglich und nie zu bedrohlich. Auch als Vorlesebücher funktionieren alle drei Bände hervorragend. Die Kapitel haben genau die richtige Länge für gemeinsame Leseabende, die Sprache ist lebendig und oft sehr komisch, ohne jemals angestrengt lustig wirken zu wollen. Erwachsene entdecken dabei viele kleine Zwischentöne und charmante Beobachtungen, während Kinder vor allem die Abenteuer und die tierischen Figuren lieben werden. So entwickelt sich die Wasserschwein-Reihe von Buch zu Buch immer weiter: vom neugierigen Ausbruch aus dem Gehege über einen kleinen tierischen Kriminalfall bis hin zur großen Reise durch die Stadt. Gerade diese Mischung aus Verlässlichkeit und Weiterentwicklung macht die Reihe so besonders. Matthäus Bär gelingt etwas, das im Kinderbuchbereich selten geworden ist: Geschichten zu erzählen, die aufregend und lustig sind, ohne laut oder hektisch zu werden. Stattdessen entstehen Bücher voller Wärme, Fantasie und leiser Klugheit – moderne Vorleseabenteuer mit ganz eigenem Charme.