// szenenwechsel vol. (2)54 – „tardis“

mit der aktuellen Staffel von „Doctor Who“. // Mit der zweiten Staffel der neuen „Doctor Who“-Ära setzt Showrunner Russell T Davies konsequent auf große Emotionen, ungewöhnliche Ideen und jene kreative Grenzenlosigkeit, die die traditionsreiche Science-Fiction-Serie seit Jahrzehnten auszeichnet. Die acht Episoden erzählen zwar erneut eigenständige Abenteuer, entwickeln gleichzeitig aber einen übergeordneten Handlungsbogen, der immer wieder […]

mit der aktuellen Staffel von „Doctor Who“.

// Mit der zweiten Staffel der neuen „Doctor Who“-Ära setzt Showrunner Russell T Davies konsequent auf große Emotionen, ungewöhnliche Ideen und jene kreative Grenzenlosigkeit, die die traditionsreiche Science-Fiction-Serie seit Jahrzehnten auszeichnet. Die acht Episoden erzählen zwar erneut eigenständige Abenteuer, entwickeln gleichzeitig aber einen übergeordneten Handlungsbogen, der immer wieder auf eine dunkle Verschwörung verweist und in einem überraschenden Finale endet. Im Mittelpunkt steht erneut der von Ncuti Gatwa gespielte Doktor, der seiner Figur eine ganz eigene Dynamik verleiht. Sein Doktor ist energiegeladen, empathisch, humorvoll und gleichzeitig von einer unterschwelligen Melancholie geprägt. Gatwa gelingt das Kunststück, die jahrzehntelange Tradition der Rolle zu respektieren und ihr dennoch eine unverwechselbare eigene Identität zu geben. Seine Darstellung lebt von einer enormen Präsenz, schnellen Stimmungswechseln und einer großen Wärme, die ihn zu einem der zugänglichsten Doktoren der jüngeren Seriengeschichte macht.

An seiner Seite steht Belinda Chandra, die durch die Rettung vor mörderischen Robotern in ein Abenteuer hineingezogen wird, das sie weit über ihre Vorstellungskraft hinausführt. Die Beziehung zwischen dem Doktor und Belinda entwickelt sich zu einem emotionalen Kern der Staffel. Ihre gemeinsame Reise ist weniger ein klassisches Companion-Abenteuer als vielmehr eine Geschichte über Vertrauen, Orientierung und die Frage, was Heimat eigentlich bedeutet. Gleichzeitig bleibt mit Ruby Sunday eine wichtige Figur der vorherigen Staffel präsent. Ihre Versuche, ohne den Doktor auf der Erde ein normales Leben zu führen, verleihen der Handlung zusätzliche emotionale Tiefe und zeigen, welche Spuren die Begegnung mit dem Doktor im Leben seiner Begleiter hinterlässt. Wie so oft bei „Doctor Who“ liegt eine besondere Stärke in der enormen Vielfalt der Geschichten. Bereits „Die Roboter-Revolution“ verbindet Science-Fiction-Abenteuer mit Humor und einer Portion Gesellschaftssatire. Andere Episoden schlagen deutlich düsterere Töne an, experimentieren wild oder greifen klassische Motive der Serie auf. Besonders „Ruf der Tiefe“ und „Die Geschichtenmaschine“ erzeugen eine dichte, teilweise unheimliche Atmosphäre und zeigen die Serie von ihrer fantasievollen Seite. Mit „Interstellar Song Contest“ gönnt sich die Staffel zudem ein wunderbar überdrehtes Abenteuer, das den typisch britischen Humor der Reihe in den Vordergrund rückt. Die letzten beiden Episoden, „Welt der Wünsche“ und „Krieg der Realitäten“, führen schließlich die zahlreichen Handlungsfäden zusammen und entwickeln ein Finale, das kosmische Bedrohungen mit persönlichen Schicksalen verknüpft. Gerade diese Mischung aus Science Fiction, Märchen, Horror, Komödie und Drama bleibt die große Stärke von „Doctor Who“. Kaum eine andere Serie wechselt so selbstverständlich zwischen völlig unterschiedlichen Genres und schafft es dennoch, sich stets als Einheit anzufühlen. Hinter jeder verrückten Idee steckt dabei meist eine sehr menschliche Geschichte über Verlust, Hoffnung, Freundschaft oder die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Die vorliegende DVD-Edition präsentiert die komplette Staffel auf fünf DVDs mit einer Laufzeit von rund sechs Stunden und bietet eine sehr umfangreiche Ausstattung. Besonders die Episoden der Reihe „Unleashed“ und die zahlreichen Hinter-den-Kulissen-Beiträge sind für Fans ein echter Mehrwert. Sie zeigen eindrucksvoll, mit welchem kreativen Aufwand die aufwendigen Kulissen, Spezialeffekte und Kostüme entstehen und wie viel Leidenschaft die Beteiligten in die Produktion investieren. Die Audiokommentare liefern darüber hinaus interessante Einblicke in die Entstehung einzelner Episoden und die Arbeit vor und hinter der Kamera. Das beiliegende Booklet rundet die Veröffentlichung gelungen ab. Auch technisch hinterlässt die Ausgabe einen sehr ordentlichen Eindruck. „Doctor Who“ beweist eindrucksvoll, warum die Serie auch nach mehr als sechs Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren hat. Sie verbindet klassische Science Fiction mit emotionalem Erzählen, überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen und stellt mit Ncuti Gatwa einen Doktor ins Zentrum, der die traditionsreiche Rolle mit großer Spielfreude und bemerkenswerter Eigenständigkeit ausfüllt. Mehr davon, bitte. Gerade, wenn man bedenkt, dass die Zukunft gerade noch ungewiss erscheint.