mit dem 30ten Jubiläum des Taubertal-Festivals

// Das Taubertal Festival startete in den vergangenen Jahren ja bereits mehrmals am Donnerstag. Als Warm-Up sozusagen, aber in diesem Jahr wurde passend zum Jubiläum des Festivals nochmal einer draufgesetzt. Unter dem Motto „Feiern mit Freunden“ wollte man es parallel zum 30ten ordentlich krachen lassen und so bestritten die Bands diesmal auf der Hauptbühne ihr sogenanntes Aufwärmprogramm und das hatte es in sich.

Nach einer spannende Lesung von Feine Sahne-Frontmann Monchi, der darin ausführlich schilderte, wie es ist in einem Ort zu leben, in dem zahlreiche Leute rechts wählen, gings nach einem kleinen Stelldichein der Fäaschtbänkler weiter mit den allseits beliebten Giant Rooks, die allen Indie-Kids da draußen noch einmal durchdeklinierte, wie man an sonnigen Tagen ordentlich feiert. Diesen locker-flockigen Indie-Pop muss man einfach lieben und als Sahnehäubchen gabs dann noch Feine Sahne Fischfilet auf die Ohren, die mal wieder deutlich machten, was sie live eigentlich für eine Energie erzeugen können. Das war fulminant und am Freitag gings bei herrlichem Sommerwetter exakt so weiter. Zugegeben, so einen frühen Opener wie Patrice hatte das Festival bis dato wahrscheinlich auch noch nicht erlebt, aber ja, da stand er um 5.59 Uhr in der Früh passend zum ersten Krähen des Hahnes und was soll man sagen: es hat gewirkt. Die Sommersonne wirkte dermaßen inspiriert, dass sie das ganze Wochenende über gar nicht mehr verschwinden wollte.

Passt ja auch perfekt, wenn man am morgen eine Runde Yoga machen möchte oder man schlenderte einfach ein paar Camps weiter und lässt sich einen Döner-Croissant reichen. Sah jedenfalls verdammt lecker aus und die zahlreichen Tester schienen sichtlich begeistert. Überhaupt abseits der Hauptbühnen, wo die Sportis die ganz großen Emotionsshow starteten, lies sich auch in diesem Jahr wieder einiges entdecken.

Eine waschechte Wanderbar, die über den Zeltplatz zog, ein fahrendes Sofa oder der Würzburger Kneipenchor zum Beispiel, der mit allen zusammen wie von Tilman versprochen (wer ihn nicht kennt, kann ja mal sein legendäres Video mit K.I.Z. vor vielen Jahren oben am Hang im Netz suchen, wir lieben dieses famose Aufeinandertreffen der Generationen) „Mr. Brightside“ zum Besten gab, und ja das klang absolut bezaubernd. Wer es sich lieber etwas heftiger geben wollte, der konnte parallel dazu auch auf der Karaoke-Stage eine großen Autoherstellers vorbei schauen. Ich sag es einfach mal so, so eine Version von Robbie Williams „Angels“ habt ihr ganz sicher noch nicht gehört, es gab mal so einen Live-Mitschnitt von Enrique Iglesias´ „Rhythm Divine“ vor vielen Jahren – ein schräg gesungenes Fake-Manifest, das natürlich nicht echt war, aber jede Menge Aufsehen erzeugte. Jedenfalls „Angels“ in der Karaoke-Fassung hatte genau diesen Vibe. Man konnte einfach nicht wegschauen, geschweige denn weghören, es war schlicht… mit einer Innbrunst falsch gesungen, wahrlich ein Moment, wie man ihn selten erlebt. Großer Respekt. Ernsthaft. Ich hatte selten so ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Dass sich gleichzeitig alle Nackenhaare aufstellen und danach ne Gänsehaut drüber jagt, das muss man auch erstmal hinbekommen. Es sind ja manchmal auch einfach die kleinen Dinge, die man am Meisten genießt. Das was sich zwischen den Bühnen abspielt. Abseits der großen Show.

Da tauchen Kaffkiez auf einmal auf dem Campingplatz auf und sorgen schon vor ihrer eigentlichen Show für jede Menge Gänsehaut-Momente. Chapo hatte bei seinem Auftritt am Samstagabend passend dazu auch schon beim zweiten Song ein Weinglas in der Hand und wurde genauso frenetisch abgefeiert, wie anschließend Deine Cousine, die wohl genausogut die große Stage hätten rocken können. Überhaupt lohnt sich ein Abstecher auf die Nebenbühnen an allen Tagen, ob zu den Melodien von Milleniumkid, den wunderbaren Pop-Songs von Dilla oder den energischen Sounds von Van Holzen. Hier gibts jede Menge zu entdecken.

Zwischendurch laufen uns immer wieder ein paar Elfen und Weihnachtsmänner vor die Füße. Ford Fiestas werden auf Händen durch das Menschenmeer getragen (danke an Das Lumpenpack für diesen ganz besonderen Moment). Bobby Cars batteln sich. Hobby Horsing ist am Start und natürlich auch jede Menge Einhörner. Leuchtende Herzen erhellen das nächtliche Treiben, während Zartmann auf der Hauptbühne das ganz große Pop-Spektakel abliefert und man fragt sich, wo das nur alles enden soll, an diesem wunderbaren Sommer-Wochenende im beschaulichen Taubertal, auf der Eiswiese, die uns netterweise am Abend den dringend benötigten Schatten spendete. Genau wie die örtliche Feuerwehr, die mit ihrem Sprühnebelmeer zum heimlichen Headliner unterm Himmelszelt mutierte. Zum Finale lädt dann die schwedische Formation Royal Republic noch einmal zum gemeinsamen Rudern ein. Die dänische Nationalmannschaft wäre auf jeden Fall begeistert gewesen. Zum Abschluss versinkt dann bei SDP alles in einem Meer aus Lichtern, es wird zum Geburtstag beglückwünscht, riesige, aufblasbare Einhörner gleiten durchs Publikum und die bereits fürs kommende Jahr angekündigte Esther Graf kommt spontan bei „Mama hat gesagt“ zu den Jungs auf die Bühne und sorgt für Glückseligkeit bei allen Anwesenden.

Wir jedenfalls sind nach 30 Jahren immer noch genauso verliebt wie damals, als wir sich, liebes Taubertal-Festival, sagen wir, nicht ganz vor 30 Jahren aber ein paar Jährchen später zum ersten Mal besuchten. Mit einem Kleinbus damals. Verrückt und glücklich. Ich glaube es spielten die Schröders und Wheatus. Gibts die eigentlich noch? Wenn nicht, wäre es vielleicht mal an der Zeit für ein Revival. Die Donots spielen schließlich auch heute noch im Tal. Zum fünfzehnten Mal, wenn sie sich nicht verzählt haben. Und weil sie sich hier so zuhause fühlen, wie in ihrem eigenen Wohnzimmer, haben sie auch gleich noch ein Sofa mitgebracht, dass sie von den Fans durch die Menge tragen lassen. Und es macht ja manchmal auch verdammt viel Spaß, etwas nostalgisch zu werden. Und immer wiederzukommen. Das auch. Also nochmal ein großes Danke liebes Taubertal, für all die schönen Jahre und natürlich auch von uns herzlichen Glückwunsch. Auf die nächsten 30! Die ersten Bands für 2027 sind ja schließlich bereits draußen. Die Ärzte, Annemaykantereit, Swiss & Die Andern, LaBrassBanda, Esther Graf, Dicht & Ergreifend, Wanda und Sondaschule lassen auf großes hoffen. Karten gibts ab Donnerstag hier: Klick! Over and out.


















UND WAS NUN?