// aufgelesen 11. 09/26 – „molka“

mit dem Werk „Molka“ von Monika Kim. // Wer sich für gesellschaftskritische Horrorliteratur interessiert, der kommt in diesen Tagen an dem neuen Werk von Monika Kim nicht vorbei. Mit „Molka“ schüttelt sie einen niederschmetternden Roman zu einem dringlichen Thema aus dem Ärmel. Im Mittelpunkt steht eine äußerst motivierte Angestellte namens Dahye, die versucht über den […]

mit dem Werk „Molka“ von Monika Kim.

// Wer sich für gesellschaftskritische Horrorliteratur interessiert, der kommt in diesen Tagen an dem neuen Werk von Monika Kim nicht vorbei. Mit „Molka“ schüttelt sie einen niederschmetternden Roman zu einem dringlichen Thema aus dem Ärmel. Im Mittelpunkt steht eine äußerst motivierte Angestellte namens Dahye, die versucht über den Verlust ihrer Schwester hinwegzukommen. Keine große Hilfe ist dabei ihre eigene Mum, denn zu ihr ist das Verhältnis ziemlich zerüttet und kompliziert. Als ihr Ex-Freund heimlich von ihr ein Sex-Video herstellt und es in Chatgruppen mit anderen Männern teilt, liegt erst einmal ihr ganzes Leben in Scherben. Auch ihr Kollege, der IT-Fachmann Junyoung ist nicht besser, er hat nämlich kurzerhand eine Spionagekamera in der Frauentoilette ihrer Firma angebracht. Als wäre das noch nicht genug, begegnet die Protagonistin dann auch noch einem waschechten Geist, genauer gesagt einem Geister-Mädchen, was schließlich zu einer packenden Wendung der Ereignisse führt. Die Protagonistin Dahye ist eine junge, fleißige Angestellte, die unter dem traumatischen Verlust ihrer Schwester leidet und eine komplizierte, lieblose Beziehung zu ihrer Mutter führt.

Statt sich in ihr Schicksal zu fügen, begibt sich Dahye nämlich auf einen blutigen Rachefeldzug. Sie nimmt sich dabei jeden vor, der an den Übergriffen beteiligt gewesen ist und schon bald liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Monika Kim gelingt es dabei eine Heldin zu schaffen, die sich nicht etwa resignierend ihrem Schicksal fügt, sondern eine, die zurückschlägt. Im drastischen Kontext eines Horrorromans entwickelt sich daraus eine packende Erzählung über weibliche Selbstbestimmung. Der Titel des Buches „Molka“ verweist dabei auf die oben beschriebene versteckte Kamera und schon bald liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Wie schon in ihrem fulminanten Werk „Das Beste sind die Augen“, das sich thematisch ebenso drastisch dem Thema Gewalt widmete, wird hier der Spieß umgedreht und schon bald machen die Täter kein Auge mehr zu. Wenn du also auf Bücher stehst, welche auf dringliche Weise das Thema Misogynie durchdeklinieren um es anschließend gegen die nächste Wand zu schmettern, dann lass dich ein auf „Molka“: Du wirst ganz sicher begeistert sein von der Wucht, die diesem Werk innewohnt. Kein Wunder, dass die koreanisch-amerikanische Schriftstellerin aus Kalifornien gerade zu den angesagtesten Literatinnen ihrer Generation zählt. Sie hat sehr viel mehr zu bieten, als reinen Body Horror. Ihre Werken strotzen nur so vor surrealen Passagen und weiblicher Wut. Wir fordern: mehr davon, bitte.