// werktag 01.09/26 x aufgelesen 08.09/26 – „1999 meilen über dem meer“

mit den beiden Werken „Sorry, ich hab heut Angst“ von Hannah Lübbert und „1999 Meilen über dem Meer“ von Caroline Wahl. // Heute wollen wir den Blick auf zwei spannende Werke richten, die sich beide mit zwei persönlichen Themen auseinander setzen, die aber auf sehr amüsante Weise in literarische Formate gegossen werden. Den Anfang macht […]

mit den beiden Werken „Sorry, ich hab heut Angst“ von Hannah Lübbert und „1999 Meilen über dem Meer“ von Caroline Wahl.

// Heute wollen wir den Blick auf zwei spannende Werke richten, die sich beide mit zwei persönlichen Themen auseinander setzen, die aber auf sehr amüsante Weise in literarische Formate gegossen werden. Den Anfang macht Hannah Lübbert und schon das packende Covermotiv mit der Kettensäge gibt die Richtung vor. In „Sorry, ich hab heut Angst“ schafft sie es, sich mit der Zukunftsangst ihrer Generation auseinander zu setzen und die Ohnmacht zu beschreiben, die sich allerorts aufgrund einer Vielzahl parallel stattfindender Krisen bei vielen Menschen einstellt. Wie umgehen mit Kriegen, der Klimakrise oder den schwindenden Zukunftsperspektiven. Lübbert macht dabei nicht den Fehler schlicht zu verallgemeinern, sondern sie wendet sich dem Thema aus persönlichen Perspektive zu. Sie leidet selbst an einer diagnostizierten Angststörung und weiß, wovon sie redet. Dabei geht sie aber immer wieder auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten ein, die dafür sorgen, dass Menschen sich zunehmend psychisch und körperlich ausgelaugt führen, was schließlich irgendwann in der Diagnose Angststörung mündet.

Dabei wirft sie immer wieder einen Blick über den Tellerrand ihrer Krankheit hinaus. Bietet Lösungsansätze, wie man im Angesicht all der Herausforderungen eben nicht in Schockstarre verfällt und schafft es dabei nicht nur eine Art Anleitung zu schreiben, mit der man schrittweise wieder aus seinem Loch zu kriegen vermag, sondern auch den Blick so zu schärfen, dass man in Zukunft ein wenig angstfreier durch die Welt geht. „Sorry, ich hab heut Angst“ ist also vor allem ein Murmachbuch. Eines, das man gerne liest und das einen in den Arm nimmt. Die in Berlin geborene Autorin ist selbst seit Jahren als Klima-Aktivistin aktiv, sie gestaltete bei Fridays For Future mit und engagierte sich im Jugendrat der Generationen Stiftung. Inzwischen lebt sie in Freiburg und hat bereits bei den beiden Werken „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen“ und „Gegen das Klima der Gewalt“ mitgearbeitet. Die Richtung ist also vorgegeben und wir können euch diese Buch wirklich nur ganz innig ans Herz pressen. Es lohnt sich.

Genauso wie der neue Roman von Caroline Wahl. Die hat sich ja inzwischen zum absoluten, literarischen Superstar aufgeschwungen und auch ihr neuester Roman macht über die volle Distanz von mehr als 350 Seiten verdammt viel Spaß. Diesmal rückt sie in ihrem Buch eine Nebenfigur aus dem Vorgänger „Windstärke 17“ in den Mittelpunkt. Die Rede ist von Samara, die sich nach ihrem gewöhnungsbedürftigen Einstieg bei einer hippen, Berliner Agentur und einer Zeit der Selbstfindung in Bali nun daran macht, ihr Leben ordentlich umzukrempeln. Mit einem steinalten Mercedes macht sie sich deshalb auf den Weg in den Süden, genauer gesagt in Richtung Schweiz, wo wir schließlich auch das Rätsel um den Titel des Buches gelöst bekommen. St Moritz liegt nämlich exakt „1999 Meter über dem Meer“ und dient fortan als Ausgangspunkt für ihr Leben als waschechte Hochstaplerin, die immer wieder in neue Rollen schlüpft. Fortan unter dem Banner einer Kunstfotografin aktiv, trifft sie dort einen gewissen Fritz. Einen überaus gut-aussehenden Typen, das blöde ist nur, dass sie ihn flüchtig aus Berlin kennt. Ob das also alles gut ausgeht? Lass dich ein auf dieses erste Werk der Autorin, das diesmal nicht um das Thema Wasser kreist. Stattdessen gehts hoch hinaus und wie heißt es so schön: „Wer hoch fliegt, der fällt umso tiefer“. Wenn du ihre bisherigen Werke mochtest, wirst du auch in diesem Buch wieder viele Anknüpfungspunkt finden, die dich um den kleinen Finger wickeln werden. Ob du das Werk am Ende genauso ins Herz schließt, wie das gefeierte Debüt, das entscheidest du am Ende aber am Besten selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall auch diesmal mit Caroline Wahl in die Schweiz zu reisen. Schließlich kommt man nach jedem Urlaub auch immer wieder ein wenig runderneuert nach Hause zurück. Also viel Spaß bei der Lektüre. Bis zum nächsten literarischen Crossover.