mit den Werken „Operation Bounce House“ von Matt Dinniman und „Most Hated Girl“ von Kirsty Lockwood.

// Wer in literarischer Form gerne in fremde Welten abdriftet, der kommt beim neuesten Werk von Matt Dinniman auf seine Kosten. Nachdem seine „Dungeon Crawler Carl“-Serie inzwischen auch hierzulande die Buchhandlungen stürmt und die Herzen der Gamer-Fraktion im Sturm erobert, liegt nun auch sein neuestes Werk namens „Operation Bounce House“ vor und das hat es in sich. Wir befinden uns dabei erstmal auf einem Planeten namens New Sonora. Dort lebt eine Kolonie von Farmern, die eigentlich nur ihre Ruhe haben möchten. Oliver Lewis und seine Schwester Lulu sind zwei von ihnen und die möchten eigentlich keinen Stress, Oliver reicht es gelegentlich ein bisschen mit seiner Band zu jammen. Als dann aber ein Portal zur Erde errichtet wird, scheint dem friedlichen Dasein auf dem Planeten erst einmal ein Ende gesetzt, denn schon nach kurzer Zeit entscheidet sich die Erdenregierung zusammen mit einem Mega-Konzern, die Idylle vor Ort aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen zu stören.
Um den Irrsinn komplett zu machen, schickt man aber keine Soldaten, um die Menschen in der Gegend gefügig zu machen, sondern man gestaltet ein Live-Rollenspiel, das auf den titelgebenden Namen „Operation Bounce House“ hört. Wer die „Dungeon Crawler Carl“-Reihe kennt, weiß, was jetzt passiert und es ist bemerkenswert, wie Dinniman den Charme seiner Reihe auf dieses Werk transferiert. Die Menschen auf der Erde jedenfalls beginnen sich Roboter zu gestalten, die dann auf New Sonora Jagd auf Menschen machen und schon bald üben sich Oliver und seine Schwester nicht nur darin, Guerilla-Taktiken gegen die übermächtigen Gegner zu entwickeln, sondern sie bekommen auch Hilfe von der KI Roger, die einst dafür zuständig gewesen ist, die Kinder auf dem Planeten zu erziehen. Ob das mal alles gut ausgeht? Wenn du „Carl“ mochtest, dann lass dich ein auf diesen verrückten Wahnsinn eines der innovativsten Sci-Fi-Literaten der Gegenwart. Wir jedenfalls sind begeistert von seinen Werken, die nur so strotzen vor Seitenhieben auf die Gaming-Szene, was wiederum auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass er selbst leidenschaftlich gerne „Call Of Duty“ zockt. Also los. Drück den Start Button.

// Mit einer ziemlich traurigen Ausgangssituation konfrontiert uns in diesen Tagen auch der neuen Roman von Kirsty Lockwood. Darin treffen wir auf die 19-jährige Odette, die sich nach dem Tod ihrer Mum ganz schön einsam fühlt. Noch dazu hat sie mit ihrer Wohnsituation zu kämpfen und schlägt sich fortan mehr schlecht als recht durchs Leben. In Sachen Einsamkeit steht ihr der 80-jährige Amos dabei in nichts nach. Er hat zwar ein riesen Haus, aber wirkt dennoch ziemlich verloren in der Welt. Nachdem sie sich kennenlernen, beschließen die Beiden kurzerhand einen Social Media-Kanal ins Leben zu rufen und alles läuft erstmal ziemlich gut. Sie freunden sich immer mehr an, allerdings passiert dann während eines Live-Streams etwas Tragisches. Amos wird nämlich vor laufender Kamera ermordet und neben ihm steht eine von Blut überströmte Odette, die seither kein Wort mehr über den gesamten Vorfall verliert. Was dabei wirklich geschehen ist? Ob sie Amos wirklich ermordet hat? Für die Öffentlichkeit scheint der Fall klar, die Vorverurteilung beginnt und Odette schafft es aus Angst nicht mehr so richtig, die Schlinge um ihren Hals noch zu lösen, bevor sie sich festzurrt. Kirsty Lockwood, die im echten Leben Kirsty Strickland heißt und in Großbritannien lebt, schafft es mit ihrem Debüt dabei auf fulminante Weise die Abgründe des Social Media-Wahns um uns herum ad absurdum zu führen und diejenigen anzuklagen, die daran tagtäglich teilhaben. Heraus kommt ein Werk, das einen immer wieder zum Nachdenken anregt und am Ende keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Ihr solltet euch diesen packenden Thriller also auf keinen Fall entgehen lassen. Er lohnt sich, auch weil er ein Schlaglicht auf aktuelle Themen wie Wohnungsnot, Einsamkeit und Social Media wirft.
UND WAS NUN?