// aufgelesen 04. 10/26 x vorgelesen 01.10/26 – „frankie und freddie“

mit dem für den Buchpreis nominierten Werk „Frankie und Freddie“ von Sven Regener. // Sven Regener ist uns ja in der Vergangenheit nicht nur als Mastermind der wundervollen Band „Element Of Crime“ ans Herz gewachsen, mit welcher es ihm immer wieder gelingt dem Alltäglichen eine gewissen Poesie-Ebene zu entlocken. Er verzaubert uns auch seit Jahren […]

mit dem für den Buchpreis nominierten Werk „Frankie und Freddie“ von Sven Regener.

// Sven Regener ist uns ja in der Vergangenheit nicht nur als Mastermind der wundervollen Band „Element Of Crime“ ans Herz gewachsen, mit welcher es ihm immer wieder gelingt dem Alltäglichen eine gewissen Poesie-Ebene zu entlocken. Er verzaubert uns auch seit Jahren mit seinen Geschichten in literarischer Form und hat seinem Lehmann-Kosmos nun noch ein paar neue Aspekte (wenn wir uns nicht verzählt haben, ist das hier bereits der siebte Band der Reihe) hinzuzufügen. Im Mittelpunkt von „Frankie und Freddie“, das uns sowohl als Buch, wie auch als fantastisches Hörbuch vorliegt, stehen dabei die beiden Gebrüder Lehmann, die sich daran machen, ihren Alltag irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Dabei führen sie uns in zwei grundverschiedene Welten, bleiben aber im Herzen verbunden. Erstmal macht das Buch Station in Kreuzberg. Frank alias Frankie will gerade seinen älteren Bruder vom Kudamm abholen, nachdem dieser an einer Testreihe eines Pharmakonzerns teilgenommen hat.

Freddie hat allerdings keinen Bock seine Zeit weiter in Berlin zu verschwenden, sondern er möchte mit einem Stipendium in Richtung New York weiterziehen. Allerdings hat er seine Tasche im Hotel vergessen. Darin zu finden: sein Reisepass und die Flugtickets. Und weil sich bei ihm nach all den Experimenten mit irgendwelchen Medikamenten zunehmend immer mehr Wahnvorstellungen einstellen, die in ein nicht näher diagnostiziertes Gefühl der Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln übergehen, ist es jetzt an Frankie, seine Tasche wiederzufinden.

Zusammen mit WG-Kumpanin Chrissie machen sich die beiden Brüder also kurzerhand daran, das werte Teil wiederzufinden und es beginnt eine spannende Reise durch die Stadt, bei der man nur zu gerne auf einem der beiden Rücksitze von Frankies Wagen Platz nimmt. Denn „Frankie und Freddie“ ist eine Art Tarantino-Road Movie in literarischer Form. Eine melancholische Reise zurück in der Zeit an Orte, die mal wichtig waren und Plätze, die die ganze Welt bedeuteten. Regener versteht es außerdem sehr gut hier die Dynamik zwischen den beiden Brüdern treffsicher herauszuarbeiten, er verlässt sich also nicht nur auf die spannende Suche an sich, sondern zeichnet auch ein bewegendes Bild des Innenlebens seiner beiden Hauptfiguren. Als Leser und auch Hörer fühlt man sich dabei sofort zurück transferiert in das Berlin der 80er Jahre und wie es sich anfühlte, damals im Westen der Stadt sein Leben zu verbringen. Wenn du also Lust auf eine literarische Zeitreise hast, dann leg eine alte Platte von Element Of Crime auf den Plattenteller und gönn dir dazu dieses Buch. Oder du lässt einfach gleich das Hörbuch laufen. Die verrauchte Stimme von Regener ist so unverkennbar und authentisch, dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Da wirkt dieser verrückte Berlin-Roman gleich noch ein ganzes Stück authentischer. Überhaupt bekommt man regelrecht Lust noch einmal manche Stellen vertont als Element Of Crime-Song präsentiert zu bekommen. Fazit: In welcher Form auch immer. Ob zum Selberlesen oder Vorgelesen (tacheles!, ISBN: 978-3-86484-876-6, https://tacheles-hoerbuch.de/). Dieses Werk wird dir auf jeden Fall das Herz wärmen in diesen so seltsamen Zeiten.