// aufgelesen 05. 10/26 – „diamanten“

mit dem Werk „Diamanten“ von David Vajda. // Im Mittelpunkt des wirklich fantastischen Debüts von David Vajda stehen vier erwachsene Geschwister, deren Vater – ein ex-jugoslawischer Regisseur und die restliche Verwandtschaft dieses Kollektivs, welche sich während des Jahres immer wieder zu Hochzeiten, Weihnachten und sonstigen Familientreffen verabredet. Klingt erstmal ziemlich verwirrend. Ist aber nur umso […]

mit dem Werk „Diamanten“ von David Vajda.

// Im Mittelpunkt des wirklich fantastischen Debüts von David Vajda stehen vier erwachsene Geschwister, deren Vater – ein ex-jugoslawischer Regisseur und die restliche Verwandtschaft dieses Kollektivs, welche sich während des Jahres immer wieder zu Hochzeiten, Weihnachten und sonstigen Familientreffen verabredet. Klingt erstmal ziemlich verwirrend. Ist aber nur umso bemerkenswerter, weil dieser Roman auf der einen Seite so charaktergetrieben, andererseits gerade dadurch irrsinnig witzig geworden ist. Man wird also kurz gesagt einfach mal reingeknallt in diesen bunten Haufen von Familie, die sich an so unterschiedlichen Orten wie Wien, der Provence, Wien, Griechenland oder München wiederfindet. Im Mittelpunkt des Ganzen steht allerdings ein sehr ernstes Thema. Die Mutter fehlt nämlich. Allen. Sie ist tragischer Weise an Krebs gestorben und so schauen wir dem Rest der Familie hier auch beim Weitermachen über die Schulter.

Alle Charaktere haben dabei so ihre Ecken und Kanten. Der Vater ist ein ziemlich herzlicher Typ, der am liebsten viel Wein trinkt und dazu leckeres Essen auftischt. Der Ich-Erzähler wiederum ist einer der vier Geschiwster selbst, aus dessen Blickwinkel sich dieses gelungene Werk entfaltet. Er nimmt sich dabei ziemlich zurück und überlässt den anderen die Bühne. Ada zum Beispiel, seiner älteren Schwester und gleichzeitig einer ziemlich pragmatischen Persönlichkeit. Sie hält im Grunde alles zusammen und geht auch mal dahin, wo es weh tut. Benny wiederum wiederum muss seine Trauer rauslassen, er leidet und das spürt man auf jeder Seite, extrem unter Verlust und bildet einen Kontrast zum oft sarkastischen Ton, der in der Familie vorherrscht. Blondie wiederum ist das Nesthäkchen, er ist ziemlich chaotisch, versprüht aber auch eine Leichtigkeit, die immer wieder ordentlich Leben in die Bude bringt. Dabei kontrastiert der Autor die humorvollen Passagen des Buches immer wieder mit dem harten Kampf der Mutter gegen die Krankheit, die in Rückblenden beschrieben wird und schafft es dabei einen tiefen Einblick in das Innenleben der einzelnen Charaktere zu gewähren. Der in München geborene Vajda versteht des dabei sehr gekonnt einen mitzunehmen an den Familientisch und schafft es einem immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen, den er dann wieder mit lustigen Passagen ad absurdum fühlt. Das Leben ist eben manchmal tragisch und schön zugleich. Und „Diamanten“ feiert es – auf überaus spannende Weise. Also reinlesen. Es lohnt sich.