mit dem Werk „Der neunte Kreis“ von Sophie Stein.

// Wer sich mal ein bisschen in die Zukunft schubsen lassen möchte, der kommt an dem inzwischen dritten Roman von Sophie Stein nicht vorbei. „Der neunte Kreis“ dreht sich nämlich um den zunehmenden Optimierungswahn, der uns da erwartet und wir wenden uns einer gewissen Ond zu, die eben erst an Experiment in Sachen Resozialisierung teilgenommen hat. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, entschließt sie sich die verrückten Aufgaben zu erfüllen, die sich vor ihr Auftürmen und so entgleitet ihr zunehmend ihr eigenes Selbst. Da inzwischen die Möglichkeit besteht Erinnerungen künstlich zu verändern, wird es zunehmend schwerer zwischen dem was echt ist und was nicht zu unterscheiden. Durch die Aufgaben, die ihr zugeteilt werden, gerät sie in einen Strudel, der sich an die neun Höllenkreise von Dantes göttlicher Komödie anlehnt und versucht fortan wieder aus diesem Labyrinth herauszufinden.
In gewisser Weise gibt es hier also auch Parallelen zu dem wunderbaren Roman „There Is No Anti Memetics Division“, weil man hier zunehmend die Realität in Frage stellen muss, die sich vor einem präsentiert. Gleichzeitig schafft es Stein dieses Buch so leicht und streckenwesie humorvoll in Szene zu setzen, dass es eine wahre Freude ist. Wer werden wir, wenn alles kontrollierbar und optimierbar ist? Diese Frage steht im Zentrum von „Der neunte Kreis“ und es wirft auch die Frage auf, wie in einem solchen Zusammenhang eigentlich noch so etwas wie „Kunst“ entstehen soll. Auf bisweilen surreale und dystopische Weise wirft das Werk die Frage auf, wie es möglich sein könnte, in so einer Umgebung noch menschlich zu bleiben und richtet damit auch eine Frage an uns Leser in was für einer Welt wir in Zukunft eigentlich leben möchten. Damit gliedert sich das Buch auch ein in die gerade erst wieder breite, öffentliche Diskussion darüber, wohin die Reise mit der KI eigentlich gehen soll, wenn ihre Schöpfer inzwischen sogar danach rufen, dass es mehr staatliche Kontrolle geben soll. Wir befinden uns also mittendrin in diesem Werk – und können hier schonmal einen Blick darauf werfen, was uns gegebenfalls erwarten wird. Es lohnt sich also mal reinzuschauen. Bis zur nächsten Leserunde.
UND WAS NUN?