mit dem für den Deutschen Buchpreis nominierten Werk „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzendern Hülle“ von Valeria Gordeev.

// Heute widmen wir uns mal wieder der Longlist des diesjährigen Preises der Frankfurter Buchmesse und landen beim neuen Roman von Valeria Doreev. Das Buch mit dem schönen Titel „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ wendet sich den beiden Geschwistern Konstantin und Lada zu, deren Leben sich trennten. Nun wohnt Konstantin in Moskau und arbeitet in einem streng abgeriegelten Geheimlabor in Moskau. Dort widmet er sich der Konservierung von Lenins Leichnam. Lada wiederum hat es nach Berlin verschlagen, ihre Wohnung wird derzeit saniert und sie muss versuchen dabei nicht selbst unter die Räder zu kommen. Ihr gemeinsamer Patenonkel wiederum ist ein russischer Oligarch, der sich daran macht sein Leben nahezu endlos zu verlängern. Transhumanismus nennt sich das und so ist sein Leben davon gekennzeichnet, diesem Ziel jeden Tag ein Stückchen näher zu kommen. Konstantin wiederum gerät dabei zwischen die Fronten und sieht sich schon bald mit einer existenziellen Notlage konfrontiert, die auch die liebe Lada in Schwierigkeiten bringt.
Dabei gelingt es der Autorin sehr gekonnt, die einzelnen Lebenswelten ihrer Hauptfiguren miteinander zu verknüpfen. Der Ewigkeits-Wunsch des Oligarchen steht im starken Kontrast zu der Welt, die parallel dazu auseinander bricht. Sei es die Wohnung in Berlin oder die zerstörerischen Folgen des Krieges. Der Roman widmet sich diesen Themen aus persönlicher Sicht und konfrontiert alle Beteiligten mit den Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Es ist bemerkenswert, dass es der Autorin aus Tübingen gelingt all die unterschiedlichen Aspekte dieser Geschichte so kongenial zusammenzuhalten, und wir reiben uns immer wieder die Augen, wie sie uns mit ihrer Geschichte immer tiefer in einen Sog der Emotionen reißt. Gordeev schafft es dabei auch sehr gekonnt mit dem Titel einen Bezug zur Geschichte herzustellen, denn im Grunde geht es in dem Buch vor allem darum, wie sich eine politische Täuschung auf das Leben aller Beteiligten auswirkt. Die Hülle der Zikade steht hier also metaphorisch dafür, wie man den Menschen vorgaukeln möchte, dass schon alles unter Kontrolle ist. Wie es dahinter aussieht, das muss man sich erst freischaufeln und genau das empfehlen wir euch: saugt dieses Buch in euch auf, es hat so viel zu bieten und schafft es auf spannende Weise die drängenden Fragen unserer Gegenwart auf literarische Weise miteinander zu verknüpfen. Also schnuppert mal rein, ihr werdet es ganz sicher nicht bereuen.
UND WAS NUN?