// vorgelesen 01. 09/26 – „die lücken“

mit dem eBook zu dem für den Buchpreis nominierten Werk „Die Lücken“ von Shida Bazyar, gelesen von Banafshe Hourmazdi. // Es mag Zufall gewesen sein, aber ich streunte zuletzt durch Buchhandlungen, erst an der Osteeküste im Sommerurlaub, dann zuhause in der Heimatstadt, aber wo ich auch nachfragte. Das neue Werk von Shida Bazyar (Kiepenheuer &Witsch, […]

mit dem eBook zu dem für den Buchpreis nominierten Werk „Die Lücken“ von Shida Bazyar, gelesen von Banafshe Hourmazdi.

// Es mag Zufall gewesen sein, aber ich streunte zuletzt durch Buchhandlungen, erst an der Osteeküste im Sommerurlaub, dann zuhause in der Heimatstadt, aber wo ich auch nachfragte. Das neue Werk von Shida Bazyar (Kiepenheuer &
Witsch, ISBN 978-3-462-00501-1, www.kiwi-verlag.de) habe ich nicht bekommen. Auf Nachfrage wurde mir mehrmals gesagt, dass es derzeit nicht in die Buchhandlung bestellt werden kann, weil es nicht lieferbar sei. Was die Sache ziemlich bemerkenswert macht, ist nicht nur der Umstand, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Shortlist der Frankfurter Buchmesse stand, sondern irgendwie auch zum Titel des Buches passte. Es heißt nämlich schlicht und ergreifend „Die Lücken“ und irgendwie mutete meiner Suche dadurch fast etwas Poetisches an. Wo ich auch nachsah, es klaffte eine Lücke in den Buchhandlungen und da ich es nicht einfach online bestellen wollte (da wäre es zu bekommen gewesen), suchte ich weiter. Erfolglos. Und so kam es, dass es jetzt diese Rubrik hier gibt. Nicht, dass wir nicht schon einmal eine Rezensionen von Hörbüchern bei uns gehabt hätte. Aber sie sind inzwischen zu solch einem riesigen Genre avanciert, dass wir heute eine neue Rubrik starten möchten. Vorgelesen also. Das wird uns dieses Buch nicht von der Autorin selbst, sondern von Banafshe Hourmazdi (tacheles!, ISBN: 978-3-86484-880, https://tacheles-hoerbuch.de/).

Die ist nahezu perfekt dafür, weil sie bereits in der Vergangenheit Schauspiel studierte und bereits zahlreiche Preise für ihr Schaffen erhielt, unter anderem den Newcomer-Preis der Stadt Wien, sowie den Götz-George-Nachwuchspreis im Jahre 2019. Sie also verleiht diesem so einzigartigen Werk ihre Stimme. Man merkt schon nach wenigen Zeilen, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt. Die Sätze funktionieren nämlich in gewisser Weise literarisch, aber auch in gesprochener Form. Sie malen Bilder im Kopf. Lassen Lücken. Das Buch ist voll davon. Wir sind in Heimesbach. Im Hunsrück. Ein fiktiver Ort. Folgen einem Geist. Durchstreifen 90 Jahre deutscher Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. In der Gemeinde spiegelt sich das Leben hierzulande. Wir tauchen ein in die Köpfe der Menschen. Wir hören von jüdischen Familien, von Geflüchteten aus dem Iran, von NS-Profiteuren, von denen, die sich hinterher als Mitläufer umdeudeten. Wir atmen Geschichte. Und es entsteht ein Mosaik aus einer Vielzahl von Meinungen, die zusammen ein Gesamtbild schaffen, das sich im Fluss befindet, wie die Zeit. Das Lücken lässt. Diese Lücken schmerzen. Sie machen einen verrückt. Man wird wahrlich schier verrückt bei diesem Werk. Sensibel für ihre Charaktere geleitet uns Hourmazdi durch die Zeit und man will sich verlieren in ihren Worten, in diesen Zeilen von Shida Bazyar, die mit diesem Werk völlig zurecht zu den Favoritinnen des diesjährigen Buchpreises zählt. Man merkt, dass viele Jahre in diese Geschichte eingeflossen sind. Man hört es in jeder Silbe. Man muss es lesen, um diese besonderen Momente in den kleinen Dingen des Lebens zu finden. Man muss sich bewusst machen, dass dieses Werk zwar fiktiv ist, aber diese Dinge passiert sind. An vielen Orten. Stillschweigend geschahen. Man sollte sich auch gewarnt fühlen. „Die Lücken“ konnten nur entstehen, weil wir es zuliesen. Und es liegt in unserer Verantwortung dem Lückenhaften ein Gesicht zu geben. Dieses Buch ist so bemerkenswert, dass mir teilweise der Atem stockt, wenn ich es vorgelesen bekomme. In diesem Sinne. Reinhören! Reinlesen! Egal. Dieses Werk hat alle Aufmerksamkeit verdient, die uns zueigen ist.