mit den ersten beiden Bänden von „Hilda und Hörnchen“.

// Die Welt von Hilda gehört zu diesen seltenen Erzähluniversen, die man einmal betritt und nie wieder ganz verlässt. Sie ist wild, herzlich, manchmal ein bisschen unheimlich, aber immer voller Wärme – ein Ort, an dem Magie und Alltag so selbstverständlich ineinandergreifen, dass man sich schon nach wenigen Seiten daran erinnert fühlt, wie sich Abenteuer in der eigenen Kindheit angefühlt haben. Und genau aus dieser Welt stammen auch die Geschichten rund um Hilda und ihren treuen, leicht überforderten, aber liebenswerten Begleiter Hörnchen, die in „Hilda und Hörnchen“ erstmals im Mittelpunkt stehen. Die Comics basieren weiterhin auf der Fantasie eines der prägendsten Kindercomic-Künstler unserer Zeit: Luke Pearson, dessen Schaffen längst weltweit Anerkennung gefunden hat – nicht zuletzt dank der gefeierten Netflix-Serie, die Hilda endgültig zum modernen Klassiker gemacht hat. Die Hilda-Reihe begann ursprünglich als eher unscheinbarer Indie-Comic, entwickelte sich aber rasch zu einem Herzensprojekt für viele Leser*innen, die etwas suchten, das weder laut noch belehrend ist, sondern mit stiller Kraft erzählt. Pearson selbst ließ sich stark von Tove Jansson und ihren Mumins inspirieren – man spürt in seinen Welten diesen warmen Hauch nordischer Mystik, in der Natur ein eigenes Wesen hat und das Merkwürdige nie als Bedrohung, sondern als Möglichkeit verstanden wird. Gleichzeitig fließt auch viel filmische Fantasie à la Miyazaki in seine Arbeit: Kinder, die selbst in gefährlichen Momenten nicht den Glauben an Freundschaft, Mut und das Gute verlieren.
Genau diese Mischung macht Hilda zu einer der wenigen modernen Kinderfiguren, die ein echtes Eigenleben zu besitzen scheinen. In „Hilda und Hörnchen“ erleben wir ein Abenteuer, das all diese Qualitäten vereint. Ein plötzlich aufkommender Sturm zwingt Hilda und Hörnchen dazu, in einem geheimnisvollen Erdhügel Schutz zu suchen. Während Hilda in „Das Regenversteck“ darin zunächst nichts weiter als ein spannendes Naturphänomen sieht, merkt Hörnchen schnell, dass hier mehr verborgen liegt. Was folgt, ist ein liebevoll erzähltes Wechselspiel aus Angst, Mut und Verbundenheit. Besonders berührend ist, wie der kleine, sonst eher vorsichtige Hörnchen über sich hinauswächst – nicht, weil er ein Held sein will, sondern weil seine Freundin ihn braucht. Dieser Band zeigt, wie fein Pearson emotionale Entwicklung zeichnen kann, ohne sie je mit großen Worten zu benennen. Der zweite Band, „Der Eismann erwacht“, wirkt fast wie eine winterliche Spiegelung des ersten Abenteuers. Beim Spielen mit ihrer neuen Freundin Burku verliert sich Hilda in gewohntem Entdeckungsdrang, während Hörnchen das Versteckspiel mit seinem ganzen Ernst betreibt – und prompt in die Höhle eines uralten, frostigen Wesens stolpert. Von da an überschlagen sich die Ereignisse:

Der Eismann erwacht, die Kälte kriecht heran, und plötzlich steht nicht nur Hilda, sondern die ganze Umgebung auf dem Spiel. Wieder ist es Hörnchen, der einen Weg finden muss, ein Wesen zu besänftigen, das weit größer und älter ist als er. Und gerade das macht die Geschichte so schön: Hier wird Mut nicht als Abwesenheit von Angst gezeigt, sondern als Entscheidung, trotz Angst das Richtige zu tun. Beide Bände erweitern das Hilda-Universum nicht nur, sie machen es runder. Sie zeigen, dass auch Nebenfiguren Heldinnen sein können, ohne ihre liebenswerten Schwächen zu verlieren. Und sie erinnern daran, warum diese Reihe seit Jahren so viele Menschen begleitet: Sie traut jungen Leserinnen zu, dass sie komplexe Gefühle begreifen, leise Zwischentöne wahrnehmen und Geschichten lieben können, die nicht auf Krach setzen, sondern auf Herz. Pearson schafft es immer wieder, Abenteuer zu erzählen, die spannend sind – aber vor allem voller Seele. Und genau deshalb fühlt sich jede neue Veröffentlichung an wie ein Wiedersehen mit alten Freunden.
UND WAS NUN?