// presswerke vol. (2)87 – „gummistiefel“

mit der Vinyl-LP von Rosa Hoelger. // Mit Fuer immer Gummistiefel legt Rosa Hoelger ein Album vor, das schon in seiner Vinyl-Edition Haltung zeigt: Recycled Vinyl, streng limitiert und durchnummeriert, jede Platte ein farbliches Unikat. Diese bewusste Entscheidung für ein nachhaltiges, individuelles Produkt passt zu einer Künstlerin, die sich nie glattgebügelt oder stromlinienförmig präsentiert, sondern […]

mit der Vinyl-LP von Rosa Hoelger.

// Mit Fuer immer Gummistiefel legt Rosa Hoelger ein Album vor, das schon in seiner Vinyl-Edition Haltung zeigt: Recycled Vinyl, streng limitiert und durchnummeriert, jede Platte ein farbliches Unikat. Diese bewusste Entscheidung für ein nachhaltiges, individuelles Produkt passt zu einer Künstlerin, die sich nie glattgebügelt oder stromlinienförmig präsentiert, sondern Eigensinn und Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Musikalisch bewegt sich Hoelger zwischen Liedermachertradition, Folk, Punk und Alternative. Ihre Stimme ist dabei das tragende Element – ungewöhnlich frei, manchmal beinahe übermütig, dann wieder verletzlich und leise. Sie kann revoltiernd klingen und im nächsten Moment zärtlich werden, ohne dass es konstruiert wirkt. Diese Spannbreite verleiht den Songs eine besondere Dynamik: scharfsinnige Melancholie trifft auf eine fast kindliche „Was-kostet-die-Welt“-Attitüde. Thematisch geht es um Zwischenzustände: um ausbleibende Urlaubsgefühle, um Erwartungen, die sich nicht erfüllen, um das Aushalten von Ungewissheit.

Die Gummistiefel im Titel sind dabei mehr als ein ironisches Bild – sie stehen für Erdung, für das Durchhalten im Matsch, für eine Form von Widerständigkeit, die nicht pathetisch daherkommt, sondern mit Witz und Selbstbewusstsein. Hoelgers Texte beobachten genau, bleiben dabei aber offen genug, um Raum für eigene Gedanken zu lassen. Live entfalten die Stücke eine zusätzliche Energie. Ob solo oder gemeinsam mit ihrer „Bande“ – Judith Retzlik an Geige und Gesang, Tommy Schwarzbach an Drums und Percussion sowie Lewin Grosse an Piano und Bass – entsteht ein Klang, der zwischen intimer Liedermacherbühne und kraftvollem Bandmoment pendelt. Diese Mischung aus Nähe und Aufbruch prägt auch das Album: Es lädt ein zum Hinterfragen, zum Träumen und zum Mitgrinsen. Dass Rosa Hoelger bereits früh Aufmerksamkeit erhielt – mit dem Förderpreis der Liederbestenliste und einer Finalteilnahme beim Rio-Reiser-Preis – unterstreicht ihre Position in der aktuellen deutschsprachigen Musiklandschaft. Mit dem Feature „Sterne sehn“ gemeinsam mit Dota Kehr setzte sie ein selbstbewusstes Zeichen für ihr neues Bandprojekt. Fuer immer Gummistiefel wirkt wie eine konsequente Weiterentwicklung: persönlicher, klanglich breiter, zugleich klar in der Haltung. Ein Album, das sich weder in Nostalgie noch in Zynismus verliert, sondern trotzig-optimistisch im Hier und Jetzt steht – mit beiden Füßen fest im Matsch und dem Blick nach vorn.