mit der Vinyl-LP von FJØRT.

// Ich habe belle époque von FJØRT nicht einfach nur gehört – ich musste es erst einmal aushalten. Schon die ersten Minuten von „’43“ haben bei mir ein richtiges Unbehagen ausgelöst. Diese ruhige, fast zerbrechliche Einleitung wiegt einen kurz in Sicherheit, und dann bricht alles auf. Genau das beherrscht diese Band wie kaum eine andere. Den kontrollierten Kontrollverlust. Was mich besonders getroffen hat, ist die Direktheit der Texte. FJØRT waren nie unpolitisch, aber hier wirkt alles noch klarer, noch kompromissloser. Wenn sie historische Schuld nicht als abstrakte Vergangenheit behandeln, sondern als etwas, das uns bis heute betrifft, dann bleibt das hängen. Ich hatte beim Hören mehr als einmal das Gefühl, dass man sich diesem Album nicht entziehen kann. Es zwingt einen dazu, zuzuhören – und mitzudenken. Musikalisch liebe ich genau diese Dramaturgie, die FJØRT perfektioniert haben.
Die Songs fühlen sich an wie kleine Bühnenstücke: erst Spannung, dann Eskalation, dann ein Moment, in dem alles in sich zusammenzufallen scheint – und genau daraus entsteht etwas Befreiendes. Diese Wechsel zwischen fragilen Passagen und heftigen Ausbrüchen treffen mich jedes Mal. Wer Tagtraum früher feierte, bekommt hier einen brachialen Bruder im Geiste geliefert. Gerade weil die leisen Momente so verletzlich klingen, wirken die lauten umso intensiver. Ich finde auch, dass belle époque emotional dichter ist als vieles, was sie zuvor gemacht haben. Es gibt weniger Umwege, weniger Metaphern, hinter denen man sich verstecken könnte. Alles ist sehr unmittelbar. Das macht das Album nicht unbedingt leichter zugänglich, aber für mich stärker. Es fühlt sich ehrlicher an, roher – als hätte die Band entschieden, nichts mehr abzuschwächen. Manche Passagen erzeugen bei mir fast Beklemmung, weil sie so drängend sind. Und dann gibt es Momente, in denen sich diese Spannung löst – nicht komplett, aber gerade genug, um weiterzumachen. Dieses Wechselspiel macht für mich den Kern des Albums aus. Für mich ist belle époque deshalb kein Werk geworden, das ich ständig auflege. Es braucht dafür den richtigen Moment. Aber wenn ich bereit bin, mich darauf einzulassen, entfaltet es eine enorme Wucht. Es ist intensiv, unbequem und gleichzeitig unglaublich kraftvoll. Und genau deshalb halte ich es für eines der stärksten Statements dieses zugegeben noch sehr jungen Jahres und so zitiere ich die Band am Ende hier einfach mal selbst… “Und wir holen wieder Luft, aber woher denn nehmen. Angekommen in der Pechschwarz-Ära. Die Hoffnung ist ein Schlachtfeld. Ich habe nichts in der Hand, wenn es wieder Nacht wird“ …und weiter… “Ich sollte Licht spenden, doch ich brauche es selbst. Ich sollte mich wehren, doch ich bin Pazifist. Ich sammle die Gewalt, bis sie mich killt. Bis sie. Bis sie. Bis sie mich killt“. In diesem Sinne. Keine weiteren Fragen. Gibt einfach keine zufriedenstellenden Antworten mehr. Einfach ab dafür! Und weitermachen…
UND WAS NUN?