// presswerke vol. (2)92 – „whatever comes“

mit der neuen Vinyl-LP von Joshua Idehen. // Mit I Know You’re Hurting, Everyone Is Hurting… legt Joshua Idehen ein Album vor, das sich zwischen Spoken Word, elektronischer Musik und Soul bewegt und dabei vor allem eines versucht: einen Raum zu öffnen, in dem Verletzlichkeit ausgesprochen werden darf. Schon der Titel macht klar, worum es […]

mit der neuen Vinyl-LP von Joshua Idehen.

// Mit I Know You’re Hurting, Everyone Is Hurting… legt Joshua Idehen ein Album vor, das sich zwischen Spoken Word, elektronischer Musik und Soul bewegt und dabei vor allem eines versucht: einen Raum zu öffnen, in dem Verletzlichkeit ausgesprochen werden darf. Schon der Titel macht klar, worum es geht. Schmerz wird hier nicht individualisiert oder dramatisiert, sondern als etwas Gemeinsames begriffen – als Erfahrung, die Menschen verbindet. Musikalisch bewegt sich das Album in einer spannenden Zwischenzone. Elektronische Beats, warme Soul-Elemente und atmosphärische Klangflächen bilden das Fundament, über dem Idehen seine Texte spricht, manchmal fast predigt, dabei aber immer reflektiert um die Ecke biegt. Seine Stimme trägt die Stücke – rhythmisch, eindringlich, aber nie überladen. Die Tracks wirken dadurch zugleich tanzbar und nachdenklich. Man kann sie im Hintergrund laufen lassen, doch eigentlich laden sie dazu ein, genauer hinzuhören. Thematisch kreisen viele Stücke um Erschöpfung, Hoffnung und Selbstbestimmung. Titel wie „Don’t Let It Get You Down“, „Choose Yourself“ oder „Turn It Around“ wirken zunächst wie einfache Botschaften, doch Idehen gelingt es, ihnen eine größere Tiefe zu geben.

Statt motivierender Parolen entsteht eine Art kollektives Nachdenken darüber, wie man mit Überforderung, Enttäuschung oder Einsamkeit umgehen kann. Besonders die kurzen Interludes – etwa „It Won’t Always Be Like This“ oder „How I Found Forgiveness“ – funktionieren wie kleine Atempausen im Albumfluss und geben dem Ganzen eine fast dramaturgische Struktur. Dabei bleibt die Musik zugänglich. Viele Passagen besitzen eine rhythmische Leichtigkeit, die auch auf dem Dancefloor funktionieren kann. Gleichzeitig behalten die Texte eine intime, beinahe heilende Qualität. Diese Balance zwischen Clubenergie und persönlicher Reflexion ist eine der großen Stärken des Albums. Die LP erscheint auf transluzentem gelbem Vinyl, was visuell zum offenen, warmen Klangbild passt. Ein Downloadcode liegt ebenfalls bei, woran sich viele Bands in Zukunft gerne wieder ein Beispiel nehmen können. Insgesamt wirkt I Know You’re Hurting, Everyone Is Hurting… wie ein musikalisches Gespräch über die Gegenwart: über Müdigkeit, Unsicherheit und den Wunsch nach Verbindung. Joshua Idehen gelingt es dabei, Spoken Word nicht als reines Literaturformat zu präsentieren, sondern als Teil einer lebendigen musikalischen Welt. Das Ergebnis ist ein Album, das gleichzeitig beruhigt und aufrüttelt – und daran erinnert, dass persönliche Krisen oft Teil einer größeren, gemeinsamen Erfahrung sind.