mit den Werken The Horizon und Die Hexe vom Distelschloss.

// Zwei erste Bände, zwei völlig unterschiedliche Welten – und doch erzählen The Horizon von Jh und Die Hexe vom Distelschloss von John Tarachine auf ihre eigene Weise Geschichten über Verlust, Verantwortung und die Suche nach Orientierung in einer unsicheren Welt. The Horizon beginnt in einer Landschaft, die kaum noch Hoffnung kennt. Ein verheerender Krieg hat alles zerstört: Städte liegen in Trümmern, Menschen sind verschwunden, die Welt wirkt wie ein endloser Friedhof. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der seine Mutter verloren hat und ohne Ziel durch diese verwüstete Umgebung zieht. Seine Reise wirkt zunächst fast ziellos – ein Weitergehen aus reiner Notwendigkeit. Erst als er einem Mädchen begegnet, das einen ähnlichen Schmerz in sich trägt, verändert sich etwas. Die beiden Kinder erkennen in der jeweils anderen Person eine Art Spiegel ihrer eigenen Erfahrung.
Von diesem Moment an ziehen sie gemeinsam weiter, immer dem Horizont entgegen, der zum Symbol für eine Zukunft wird, die noch nicht sichtbar ist. Der Manhwa erzählt diese Geschichte mit großer Ernsthaftigkeit und einer fast schon poetischen Melancholie. Gewalt und Grausamkeit sind zwar präsent, doch wichtiger ist die Atmosphäre von Einsamkeit und Stille, die über allem liegt. Die Welt wirkt leer, die Figuren klein darin – und gerade diese Kontraste geben der Geschichte ihre emotionale Kraft. The Horizon ist weniger ein Abenteuer als eine existenzielle Reiseerzählung, in der zwei Kinder versuchen, in einer zerstörten Welt einen Rest Menschlichkeit zu bewahren.

Ganz anders wirkt dagegen Die Hexe vom Distelschloss. Hier ist die Welt zwar ebenfalls von Konflikten geprägt, doch sie erscheint deutlich lebendiger und manchmal sogar verspielt. Die Geschichte spielt in einem alternativen Edinburgh, in dem moderne Technologie das Leben der Menschen bestimmt. Magie scheint eigentlich überflüssig geworden zu sein – und genau deshalb werden diejenigen, die sie weiterhin praktizieren, mit Skepsis betrachtet. Eine von ihnen ist Marie Blackwood, eine Hexe, die einen kleinen Laden für magische Gegenstände betreibt. Ihr Geschäft wirkt wie ein Ort außerhalb der Zeit, ein Rückzugsraum für Dinge, die im modernen Alltag keinen Platz mehr haben. Als der junge Theo Edison in Maries Obhut gegeben wird, verändert sich die Situation grundlegend. Der Junge besitzt außergewöhnliche Kräfte, die ebenso faszinierend wie gefährlich sind. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft zwischen Lehrmeisterin und Lehrling entwickelt sich eine Beziehung, die von Verantwortung, Vertrauen und gelegentlich auch Chaos geprägt ist. Denn Theos Fähigkeiten könnten – zumindest theoretisch – das Gleichgewicht der Welt ins Wanken bringen. Während The Horizon also eine düstere, fast allegorische Reise durch eine zerstörte Welt erzählt, bewegt sich Die Hexe vom Distelschloss stärker im Bereich der fantastischen Coming-of-Age-Geschichte. Der Ton ist leichter, die Welt detailreicher und voller skurriler Elemente. Dennoch verbindet beide Werke ein gemeinsames Thema: junge Figuren müssen ihren Platz in einer Realität finden, die größer und komplizierter ist, als sie zunächst verstehen. The Horizon steht für eine sehr reduzierte, fast philosophische Form des Geschichtenerzählens, in der Atmosphäre und emotionale Erfahrung wichtiger sind als klassische Handlung. Die Hexe vom Distelschloss dagegen setzt stärker auf Weltbau, Fantasie und die Dynamik zwischen Figuren. Beide Geschichten beginnen mit Begegnungen, die alles verändern: In The Horizon treffen zwei traumatisierte Kinder aufeinander und beschließen, gemeinsam weiterzugehen. In Die Hexe vom Distelschloss begegnen sich eine zurückgezogene Hexe und ein außergewöhnlicher Junge, dessen Kräfte ihr Leben durcheinanderbringen. In beiden Fällen entsteht aus dieser Begegnung eine neue Form von Gemeinschaft – und damit auch die Hoffnung, dass selbst in unsicheren Zeiten ein neuer Weg entstehen kann.
UND WAS NUN?