// aufgelesen vol. (6)98 – „zwei väter“

mit den Werken „Die Toten aus der Wassermühle“ von Yukito Ayatsuji und „Zwei Väter“ von John Niven. // Wer sich gerne Gegensätzen widmet, der findet in den neuen Romanen von Yukito Ayatsuji und John Niven ein spannendes Doppel vor. Mit Die Toten in der Wassermühle und Zwei Väter knallen uns die beiden zwei Romane vor […]

mit den Werken „Die Toten aus der Wassermühle“ von Yukito Ayatsuji und „Zwei Väter“ von John Niven.

// Wer sich gerne Gegensätzen widmet, der findet in den neuen Romanen von Yukito Ayatsuji und John Niven ein spannendes Doppel vor. Mit Die Toten in der Wassermühle und Zwei Väter knallen uns die beiden zwei Romane vor den Latz, die unterscheidlicher kaum sein könnten, die sich aber beide mit Menschen in absoluten Ausnahmesituationen beschäftigen. Yukito Ayatsuji präsentiert uns dabei wie schon in Teil 1 seiner Krimireihe einen überaus lesenswerten Mitratekrimi, der nicht nur Fans von Whodunit-Serien, sondern auch Anhänger japanischer Literatur begeistern dürfte. Sein clever in Szene gesetzter Honkaku-Krimi trieft dabei nur so vor spannenden Cliffhangern, die einen immer wieder an der Nase herumführen. John Niven wiederum schafft es in seinen Werken schon seit jeher seinen idealtypischen, schwarzen Humor mit gesellschaftskritischen Motiven zu kontern und so widmen wir uns diesmal einem ganz besonderen Spannungsfeld: der eigenen Familie. Beide verbindet, dass sie es mit ein paar Kniffen schaffen, ihre Leser sofort in einen Sog der Emotionen zu schubsen. Die Toten in der Wassermühle versteht sich dabei als klassischer Detektiv-Krimi, der einen immer wieder ins Grübeln bringt, was hier eigentlich vor sich geht.

Anfangs sehen wir uns dabei mit einer alten Wassermühle konfrontiert, die etwas abgelegen in den japanischen Bergen zu finden ist. Sie hat einzelne, kunstvoll gestaltete Räume, die auch für Besucher begehbar sind. Allerdings endet ein Besuch dort des Öfteren mit dem Tod, was irgendwann auch den Detektiv Kiyoshi Shimada auf den Ort aufmerksam macht. Gut, dass er zufällig auf der exquisiten Gästeliste des Ortes steht und sich von Inszenierungen nur selten blenden lässt. Aber was hat es auf sich mit diesem spannenden Katz und Maus- Spiel in einer schlicht gothischen Atmosphäre. Und wieso führt diese Wassermühle eigentlich ein Art Eigenleben. Ja, ist sie doch beinahe ein Labyrinth bestehend aus jeder Menge Geheimnisse. Dabei sollte man als Leser dringend auf die Details achten. Dann nämlich wird man richtig gepackt von diesem Krimi, der einem immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Am Ende hat man alle nötigen Informationen beisammen und kann selbst überprüfen, ob man mit seinem Verdacht bezüglich des Mordfalls richtig liegt. Spannend jedenfalls bleibts bis zum Schluss und wir freuen uns jetzt schon auf die weiteren Bände der Reihe.

John Niven wiederum richtet einen gänzlich anderen Blick auf das Geschehen. Zwei Väter geht im Grunde um zwei Männer, die völlig unterschiedlich sind. Auf einer Entbindungsstation lernen sie sich kennen. Da wäre Dan, seines Zeichens Fernsehautor und in seinem Beruf überaus erfolgreich und dann gibts da noch Jada, der sein Leben bisher eher als Überlebenskünstler und Kleinkrimineller bestritt. Daraus entwickelt Niven ein packendes Spannungsfeld, in dem man sich als Leser nur zu gerne niederlässt. Denn bedeutet auf der scheinbaren Gewinnerseite des Lebens zu stehen auch gleichzeitig der Glücklichere der Beiden zu sein. Können es nicht gerade all die Erwartungen sein, die einen zunehmend zu erdrücken drohen. Niven entspinnt darauf eine spannende Abhandlung darüber, was es heutzutage eigentlich bedeutet, ein Mann zu sein und er schafft es nebenbei auch noch gesellschaftliche Sprengsätze zu thematisieren. Wenn du also mal wieder einen wahrlich tiefgehenden Roman über das Leben selbst lesen möchtest, dann bist du hier genau an der richtigen Adresse. Und ja, auch wenn diese beiden Werke im direkten Vergleich sehr wenig miteinander gemeinsam haben, ergänzen sie sich doch ganz hervorragend. Denn es ist letztlich ganz egal, wo man sich befindet. Auf einer Geburtsstation oder in einer einsamen Wassermühle. Man muss sich seiner Vergangenheit stellen und die Taten, die man begeht, beeinflussen den weiteren Verlauf des Lebens. Und dass das nicht immer gerade aus läuft, dürfte sicher jede*r Leser*in selbst bestätigen können. Also viel Spaß mit diesem spannenden Doppel aus Kriminalgeschichte und Gesellschaftsroman.