mit den Werken „Tutto Bene“ von Laura Wagner und „Honey“ von Imani Thompson.

// Laura Wagner und Imani Thompson haben heute ihre beiden Werke Tutto bene und Honey im Gepäck und konfrontieren uns mit zwei Szenerien, die sich auf den ersten Blick nicht ferner sein könnten. Laura Wagner ist dabei eher diejenige, die einen starren Blick auf unsere aktuelle Gegenwart wirft. Imani Thompson wiederum schickt uns raus auf den Campus und provoziert so lange, bis man gar nicht mehr wegschauen kann. Moderne Gesellschaftskritik klang selten so bissig. Obwohl die Bücher vom Stil her komplett unterschiedlich sind, drehen sich beide um etwas Ähnliches. Es geht um Frauen, die irgendwie ihren Platz in dieser so widersprüchlichen Welt zu finden vesuchen. Sie müssen mit Rückschlägen umgehen lernen und wirken gerade deshalb so nachvollziehbar. In Tutto bene steht dabei die junge Emma im Mittelpunkt. Ihr Leben verlief bisher eigentlich in geregelten Bahnen, aber wenn man in sie hineinblickt, tun sich Abgründe auf. Nachdem sie ihr Studium abgebrochen hat, arbeitet sie in einem Berliner Späti und sieht sich gleichzeitig mit ihrem alkoholkranken Vater konfrontiert, zu dem sie unbedingt Kontakt halten möchte.
Ihre eigene Essstörung versucht sie dabei weitesgehend unter den Tisch zu kehren. Es wirkt ja eh alles zu groß, um sich mit dem vollen Ausmaß auseinander zu setzen. Dabei rutscht das Buch niemals ins melodramatische ab, sondern versteht es die Dringlichkeit eines sich zuspitzenden Kontrollverlusts auf beinahe sanften Pfoten zu schildern. Doch wie es im Leben so ist. Manchmal öffnet sich spontan im Leben eine Tür, durch die man hindurchgehen sollte. Hier tritt sie in Form einer Praktikantin namens Ingrid in Emmas Leben. Die ist gerade erst 14 geworden, aber dafür schon relativ klug und übehaupt. Sie schafft es Emma mit ihrer direkten Art immer wieder zurück ins Leben zu schubsen. Und dann wäre da noch ein gewisser Leo, der versucht ihre Blockadehaltung zu brechen. Ob es ihm gelingt? Es lohnt sich auf jeden Fall dem Werk eine Chance zu geben

Wagner schafft es mit ihrem Sinn für Humor einen als Leser immer wieder um den kleinen Finger zu wickeln. Womit wir wieder bei Imani Thompson wären. Die ist im Grunde weit davon entfernt in starre Muster zu vefallen. Das fängt schon damit an, dass Yrsa vor lauter Ärger eine Biene in die Getränkeflasche eines nervigen Professors steckt und der dann tatsächlich daran stirbt. Und hier setzt der Roman dann auch an. Es geht um die großen Dinge im Kleinen. Wir werden mit dem Alltagsrassismus genauso konfrontiert, wie mit Machtfragen und der ebenso engstirnigen akademischen Elite, die meint über den Dingen zu stehen. Man gibt sich weltoffen, aber hat von der Welt eigentlich keine Ahnung. Was anders ist, wird übergangen, existiert nicht und so wirkt dieser Roman genau deshalb so bemerkenswert, weil er einem auch immer wieder selbst den Spiegel vorhält. Honey ist dabei aber auch einfach unfassbar lustig in manchen Passagen. Und so können wir nur raten, sich diesen Campusthriller nicht entgehen zu lassen. Er ist Satire, Gesellschaftskritik und packender Krimi in einem und funktioniert auf allen Ebenen überraschend gut. Wo Wagner versucht ihren Figuren eine enorme Tiefe zu schenken, tritt bei Thompson ein pechschwarzer Humor in den Vordergrund, der auf anderer Ebene ebenso verfängt. Am Ende geht es dann vor allem darum, zu sich selbst zu finden, auch wenn das manchmal wehtut. Wenn du also noch nach ein paar spannenden Strandlektüren suchst, greif zu. Du wirst es ganz sicher nicht bereuen.
UND WAS NUN?