mit den Werken „Voidverse“ von Damien Ober und „Insel der Ratten“ von Jo Nesbo.

// Damien Ober und Jo Nesbø knallen uns in Voidverse und Insel der Ratten zwei düstere Zukunftsvisionen vor den Latz, die zwar beiden fantastisch sind, aber auf völlig unterschiedliche Weise. Ober richtet den Blick dabei auf einen wirklich durchgeknallten Sci-Fi-Kosmos, der einen sofort einsaugt, während Nesbo uns mal eben einen nicht gerade ermunternden Blick in Rivhtung Zukunft werfen lässt. Beide Romane widmen sich dabei vor allem einer Frage: was passiert eigentlich, wenn alle Gegebenheiten um uns herum Risse bekommen und wo landen wir am Ende, wenn kein Stein mehr auf dem anderen liegt. In Voidverse geht es dabei vor allem darum, sich erst einmal in einem Universum ohne Sterne oder Planeten einzufinden. Die Menscheit haust auf riesigen Felseninseln, die nur durch Luftströmungen miteinander in Verbindung zu stehen scheinen. Ein waghalsiger Ansatz, der aber verfängt, weil Ober einen mitnimmt in die Gegebenheiten dieser fantastischen Welt.
Als wäre dieser originelle Ansatz noch nicht genug, werden wir auf all diesen Inseln auch noch mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Regeln und Glaubenssätzen konfrontiert, wobei immer eine Sache wie eine unsichtbare Hand das Geschehen lenkt. Die Bewohner wollen nämlich allesamt rauf ins Zentrum. Es verspricht einem Erlösung und Hoffnung, scheint aber auf den ersten Blick unerreichbar. Die Handlung bekommt schließlich ordentlich Drive, als eine geheimnisvolle Frau auftaucht, die sich von oben nach unten bewegt. Sie möchte also weg vom Zentrum und das wirft zahlreiche Fragen auf. Egal ob du dich also für spannende Landschaften oder Naturphänomene interessierst, für gesellschaftliche Konstrukte oder einfach nur ein spannendes Mysterium, das es zu lösen gilt. In diesem Werk bekommst du alles auf einmal und du wirst es ganz sicher nicht bereuen, es in die Hand genommen zu haben.

Ganz anders verhalten sich die Dinge in Jo Nesbøs Insel der Ratten. Der Besstsellerautor aus Norwegen ist ja sonst eher für sein Harry Hole-Universum bekannt, schafft es uns hier aber ebenfalls eine dystopische Welt zu präsentieren. Nach einer Pandemie, die keinen Stein mehr auf dem anderen gelassen hat, sehen wir uns damit konfrontiert, dass Armut und Gewalt unser Leben bestimmen. Der gut betuchte Unternehmer Colin Lowe hat sich mit seiner Familie versucht auf eine abgeschottene Insel zu retten, aber sein Sohn Brad sitzt noch auf dem Festland fest. Dadurch wird er selbst Teil des gnadenlosen Treibens vor dem die Familie zu fliehen versucht. Als dann auch noch die Tochter von Colins Freund Will entführt wird, starten sie mit dem Gegenschlag und die Situation spitzt sich zu. Nesbø gelingt es dabei einen packenden Krimi in ein pandemisches Szenario zu integrieren und schafft es auf beiden Ebenen, zu liefern. Einerseits macht er deutlich, wie nah unsere Zivilisation durch unser bestehendes gesellschaftliches System am Abgrund zu stehen scheint, gleichzeitig richtet er seinen Blick in übertragener Weise auf die soziale Spaltung, die uns alle umgibt. Ob du nun also in futuristische oder postapokalyptische Welten aufbrechen willst, hier wirst du in beiderlei Hinsicht hervorragend unterhalten und zum Nachdenken angeregt. Zusammen gelesen schaffen es beide Romane problemlos das Feld der Zukunftsliteratur zu bedienen ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Stattdessen sind beide Bücher erschreckend plausibel und genau da liegt die große Stärke der Werke. Sie regen zum Nachdenken an. Über uns. Die Welt. Die Zukunft. Mehr kann man von guter Literatur nicht erwarten
UND WAS NUN?