mit dem für den Deutschen Buchpreis nominierten Werk „Parasiti“ von Alisha Gamisch.

// Eigentlich begann alles mit einem Brief. Das gemütliche Leben von Rina, Valli (ihrer Tante) und der Oma Lydia ist damit ein für allemal vorbei, denn ab diesem Moment hört die Großmutter einfach auf zu reden. Was aber ist genau geschehen. „Parasiti“ widmet sich dem Leben dreier russlanddeutscher Frauen angefangen in den 1960er Jahren bis hin in unsere Gegenwart und man ist ziemlich schnell begeistert von diesem vielschichtigen Portrait, das uns von Novosibirsk bis nach Fürstenfeldbruch führt. Im Roman beginnt für den Leser damit eine spannende Reise in die Vergangenheit, in welcher auf die jüngeren Frauen nach Antworten suchen. Auf einmal finden wir uns in Baracken und Arbeitersiedlungen wieder und schließlich in einem Auffanglager. Im Werk werden dabei zahleriche russlanddeutsche Dialekte verwendet, was einen als Leser immer näher an die Lebenswelt der Protagonistinnen heranbringt.
Alisha Gamisch selbst wurde 1990 am Tegernsee geboren und ist nicht nur Mitglied der Literatur-Band „No Scribes“, sondern gleichzeitig auch für ihre Gedichte bekannt, die sie in der Vergangenheit verfasste. Dabei schafft sie es all ihre Figuren gleichberechtigt nebeneinander existieren zu lassen und ihre Beweggründe zu erforschen. Wir werden mit dem harten Leben in Sibirien genauso konfrontiert, wie mit Traumata und dem Thema Abtreibung. Dabei fügt sich alles auf sehr spannende Weise zusammen, was einen als Leser wirklich sehr nahe an die Figuren heranbringt. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes das Gefühl ihnen auf ihren Lebensweg über die Schulter zu schauen und man forscht selbst mit. Ob alles nach Jahrzehnten wieder ausgegraben werden muss, auch wenn es offene Wunden aufreißt. Auch darum dreht sich dieses so spannende Buch, das wir euch heute ganz innig ans Herz legen möchten. Er steht auch völlig zu Recht auf der Longlist der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und das absolut verdient. Also schnuppert mal rein. Bis zur nächsten Leserunde.
von Alexander Nickel-Hopfengart
UND WAS NUN?