// aufgelesen 06. 09/26 – „wirf einen schatten“

mit dem Werk „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer. // Schon mit „Paradise Garden“ hatte uns Elena Fischer damals um den kleinen Finger gewickelt und es ist eine Wohltat, dass sie neues Werk nun so komplett anders ist, als es Debüt war. „Offene Rechnung“ konfrontiert uns nämlich mit Joseph. Der kommt nicht mehr so richtig […]

mit dem Werk „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer.

// Schon mit „Paradise Garden“ hatte uns Elena Fischer damals um den kleinen Finger gewickelt und es ist eine Wohltat, dass sie neues Werk nun so komplett anders ist, als es Debüt war. „Offene Rechnung“ konfrontiert uns nämlich mit Joseph. Der kommt nicht mehr so richtig klar im Leben, seit seine Frau Lis mit ihren gemeinsamen Sohn einfach in Richtung Stadt abgehauen ist. Ihr wurde der triste Alltag auf dem Hof einfach zu viel und wäre da nicht die ältere Schwester seiner Frau, würde er es wahrscheinlich nicht schaffen, die Last weiter zu tragen. Denn Ada war ihm schon immer auf seltsame Weise nah. Als dann auch noch eine 20-jährige namens Birdie vor seiner Tür steht, die mal eben vor ihrer eigenen Familie auf der Flucht ist, entspinnt sich eine spannende Geschichte über Menschen, die versuchen, sich irgendwie bestmöglich durchs Leben zu schlagen und dabei doch ganz schön unter die Räder kommen.

Erst mal jedenfalls scheint für Joseph allerdings noch alles ziemlich hoffnunglos. Er will sein Leben, das hier im Jahre 1963 ansetzt, mit einem Knall direkt am Weihnachtsfest ein Ende setzen und sich mit einer Kanone ins Jenseits befördern. Ein Leben ohne Sohn Samuel und seine Frau ist für ihn nicht vorstellbar. Aber, wie es das Schicksal so will, klopft hier dann Birdie an seine Tür, die eigentlich gerne eine Karriere als Fotografin einschlagen würde. Der wortkarge Joseph rückt dadurch Schritt für Schritt immer näher ins Leben, sieht sich allerdings auch mit den Schatten seiner Vergangenheit konfrontiert, vor allem dem Unfall seines Bruders, der ihn zunehmend aus der Bahn warf. Der Autorin gelingt es auch hier wieder sehr treffsicher ihre Charaktere auszuloten und ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch die ganze Verzweiflung offen zu legen. Das Buch ist dabei ebenso tragisch, wie auch witzig geraten, denn man schaut den Figuren nur zu gerne dabei zu, wie sie aus ihrem eigenen Schatten heraustreten und es wieder lernen: dieses Leben anzunehmen, als das, was es ist: lebenswert und voller Möglichkeiten. Wenn man denn bereit ist, sie zu ergreifen.