// aufgelesen vol. (7)06 – „selbstregulierung des herzens“

mit dem für den Deutschen Buchpreis nominierten Werk „Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler. // Wer sich heute gerne mit uns ein wenig in der Zeit zurückversetzen lassen möchte, der kann gemeinsam mit Peggy Mädler in ein kleines Dorf in der Nähe von Wandlitz reisen. Dort spiegelt sich das Leben in dem just wiedervereinigten Deutschland […]

mit dem für den Deutschen Buchpreis nominierten Werk „Selbstregulierung des Herzens“ von Peggy Mädler.

// Wer sich heute gerne mit uns ein wenig in der Zeit zurückversetzen lassen möchte, der kann gemeinsam mit Peggy Mädler in ein kleines Dorf in der Nähe von Wandlitz reisen. Dort spiegelt sich das Leben in dem just wiedervereinigten Deutschland auf sehr treffsichere Weise. Im Mittelpunkt ihres Romans „Selbstregulierung des Herzens“ stehen dabei mehrere Figuren, die sich mit einer neuen Form von Alltag auseinandersetzen müssen. Da wäre zum Beispiel Georg, der sich daran macht die Kybernetik voran zu bringen und seiner Vorliebe für Computer nachgeht und mit ihm die Künstlerin Mona, die sich ihren Hoffnungen und Träumen hingibt, sich aber auch immer wieder mit der harten Realität konfrontiert sieht. Neben ihnen treffen wir auf zahlreiche weitere Figuren in diesem wunderbaren literarischen Mosaik. Marlies zum Beispiel, die versucht das System von innen neu zu gestalten und zahlreiche Freunde aus der Kunstclique von Mona.

Was das Ganze mit einem äußerst geheimen Bauvorhaben zu tun hat und wie sich die Beziehungen der Menschen vor Ort in einer Zeit der Umwälzung zueinander verändern? Peggy Mädler schafft es auf famose Weise, eine Welt zu zeigen, die sich gleichzeitig in Auflösung befindet, aber dabei zahlreiche Möglichkeiten eines Neuanfangs offeriert. Wer von den zahlreichen Figuren in diesem wirklich lesenswerten Roman dazu bereit ist? Das schaust du dir am Besten selbst an. Die 1976 in Dresden geborene Autorin schafft es einen wirklich mitten rein zu ziehen in diese Zeit des Umbruchs. Die Mitbegründerin des Kollektivs „Labor für kontrafaktisches Denken“ schafft es einen mit ihren Zeilen zu bewegen. Macht das Denken und Fühlen ihrer Figuren intensiv nachvollziehbar und lässt am Ende dennoch keinen Stein auf dem anderen. Sie zeigt warum in einem System der DDR das Versprechen, dass die Kybernetik damals allerorts offerierte, scheitern musste und wie die Generation der 1940er versuchte, sich durch eine von Misstrauen und Kontrolle durchsetzte Welt zu kämpfen. Alles endet dann letztlich dort, wo etwas Neues begann und Mädler schafft es ohne Anflüge von Ostalgie ein differenziertes Bild der damaligen Zeit zu zeigen. Ohne zu verteufeln. Ohne zu verherrlichen. Man würde sich heutzutage viel mehr von dieser Art des Austausches wünschen, welchen sie mit diesem literarischen Werk sicher anstrebt. Am Ende kommen wir schließlich nur gemeinsam aus allem raus. Also viel Spaß beim Schmökern. Bis zu unserer nächsten Leserunde.